Romy-Schneider-Verfilmung: Das Porträt einer Einsamen

Der Münchner Autor Benedikt Röskau schrieb das Drehbuch zum Film. Seine größte Herausforderung: Die Fülle an Material über Romy Schneider. „Wir haben lange gebraucht um zu entscheiden, was wir weglassen“, erzählt er.
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Der Münchner Autor Benedikt Röskau schrieb das Drehbuch zum Film. Seine größte Herausforderung: Die Fülle an Material über Romy Schneider. „Wir haben lange gebraucht um zu entscheiden, was wir weglassen“, erzählt er.

Mit Blaulicht wird sie in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert – gehetzt von Fotografen. Romy Schneider ist gezeichnet vom jahrelangem Tabletten- und Alkoholmissbrauch, ein Jahr vor ihrem Tod. Der ARD-Film „Romy“ beginnt mit einer Szene, die so gar nichts gemein hat mit der „Sissi“-Darstellerin, die sich im Kopf der Zuschauer eingebrannt hat. Der deutschen Zuschauer wohlgemerkt. Denn in Frankreich lebte Schneider ihr vom Prinzessinnen-Image befreites Leben. Dafür galt sie in Deutschland als Verräterin.

„Die Krankenhaus-Szene war mir unheimlich wichtig, um von Anfang an zu zeigen, dass dieser Mensch, der mit einem golden Löffel im Mund geboren wurde, sehr einsam war“, sagt Benedikt Röskau, der das Drehbuch zu „Romy“ geschrieben hat. „Schließlich gibt es niemand Einsameren als einen Menschen, der alleine im Krankenhaus leidet.“

Bisher gibt es keinen biografischen Film über Romy Schneider. Meist sind die Projekte daran gescheitert, dass man sich zu sehr auf die Figuren um Romy Schneider herum konzentriert hat, glaubt der Münchner Autor Röskau. „Ich wollte aber von Anfang an nicht vertraglich gezwungen sein, irgendwelchen Dritten eine Gefälligkeitsszene zu schreiben.“

Röskau konzentriert sich ganz auf seine „Romy“. Auf ihre Verzweiflung als Jugendliche (gespielt von Alicia von Rittberg), wenn ihre Schauspieler-Eltern mal wieder keine Zeit für sie hatten. Aber auch auf ihre Freude, wenn sie mit der Mutter vor der Kamera stehen durfte. Er zeigt die Sehnsucht der erwachsenen Romy (Jessica Schwarz), sowohl nach Geborgenheit als auch nach Freiheit. Schwarz sieht in vielen Szenen Schneider verblüffend ähnlich, ohne sie zu kopieren. Ihr größter Verdienst: Je älter ihre Figur wird, umso mehr gelingt es der 32-Jährigen, die historische vergessen zu machen und den Zuschauer an ihre Film-Romy zu fesseln.

Die größte Problem bereitete Röskau die Fülle an Material über Romy Schneider. „Wir haben lange gebraucht um zu entscheiden, was wir weglassen“, erzählt er. Obwohl er nur das verwendet hat, was sich ganz sicher durch verschiedene Quellen belegen ließ. Vieles aus Schneiders Leben tippt der Film nur an. Die schwierige Beziehung zum Stiefvater zum Beispiel. Aber auch die zu Alain Delon (Guillaume Delorme) wird nur angerissen.

Die Ehe mit Harry Meyen (Thomas Kretschmann) wird ausführlicher behandelt. Röskau beleuchtet, wie dessen Zerrissenheit Romy Schneider beeinflusst. Auf den zweiten Ehemann, Daniel Biasini, verzichtet der Film ganz. „Biasini war befangen“, sagt er. Er war in das Konkurrenzprojekt mit Yvonne Catterfeld als Romy Schneider eingebunden. Der angekündigte Film scheiterte letztlich an der Finanzierung.

Röskau betrachtet seine Arbeit als eine Art Forschung. „Alle reden immer vom Mythos Romy Schneider, aber niemand, den ich gefragt habe, konnte mir beantworten, was das ist.“ Seine Antwort ist „Romy“. „Ein Mythos ist immer eine einfache Geschichte, in der es darum geht, zwei sich widersprechende Elemente in Einklang zu bringen. Romy hatte eine unendliche Freiheitsehnsucht und Abenteuerlust. Sie wollte selbstbestimmt leben. Gleichzeitig aber hat sie sich nach der Geborgenheit einer Familie gesehnt. An diesem Widerspruch ist sie verzweifelt.“

Trotz aller Sorgfalt bei der Recherche, der Film von Regisseur Torsten C. Fischer hat keinen dokumentarischen Anspruch. „Die Romy, die ich geschrieben habe, ist nicht die echte Romy, sie ist die Romy des Films. Der Film hat mit Dokumentation überhaupt nichts zu tun“, betont Röskau. „Romy“ sei die Geschichte einer interessanten Frau.

Das verzweifelte Ende dieser Frau lässt der Film im Dunkeln. Ihr Tod wird am Ende des Film nur schlicht mit einer Texteinblendung mitgeteilt. „Wir wollten uns da zurückhalten und keine Leichenfledderei betreiben“, sagt Röskau.

„Hätten wir das Elend, in das Romy Schneider zuletzt gefallen ist, allzu breitgetreten, hätte das bei den Zuschauern den Eindruck eines Menschen hinterlassen, der nur desolat war.“ Romy sollte nicht zum Wrack degradiert werden. „Das wäre ihr nicht gerecht geworden. Schließlich hatte sie bis zuletzt einen ungeheuren Lebensmut, auch wenn ihr Ende traurig war."

Angelika Kahl

„Romy“, Mittwoch ARD, 20.15

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