Romantischer Enthusiasmus
Wahrscheinlich raucht er vor seinen Auftritten Moos aus finnischen Wäldern. Spitz und stahlfingrig drosch Olli Mustonen das c-moll-Konzert KV 491 in die Tasten, als stände Strawinsky oder ein trockener Hindemith auf dem Programm.
So ziemlich jedes ältere oder neue Mozart-Klischee wurde auf den Kopf gestellt. Es war ziemlich verrückt, aber auch ein Anlaß zum Grübeln über das sehr relative Verhältnis zwischen Notentext und Deutung.
Konsequent war Mustonen allerdings auf seine Weise. Seien wir also froh, dass es noch solche spinnerten Einzelgänger gibt und das Münchener Kammerorchester so mutig war, ihn für das 2. Münchner Aids-Konzert zu gewinnen. Zwei weitere Stars waren zugunsten des Begegnungs-Cafés „Regenbogen“ in der Lindwurmstraße aufgeboten: Die Trompeterin Alison Balsam sang das Es-Dur-Konzert von Haydn wunderbar weich und elegant auf ihrem eher sperrigen Solo-Instrument. Der filigranen Lyrik von Robert Schumanns Cello-Konzerts kamen die schlanke Besetzung des Orchesters unter Alexander Liebreich und der kleine Raum entgegen: Steven Isserlis spielte es mit atemberaubender Sanftheit souverän und kantabel. Selten wurde die schweifende Heiterkeit und der romantische Enthusiasmus dieses Stücks stärker spürbar als hier.
Mit Optimismus endete so ein Konzert, das der BR-Chor mit Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ und einem Grußwort von Christian Ude melancholich begann: Die Immunschwächekrankheit ist auch in München mit knapp 150 Neuinfektionen jährlich nicht besiegt. Robert Braunmüller
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