Razorlight und der "Neue"

Er prügelt, schwitzt, schüttelt sich und reckt voller Emphase seine Drumsticks in die Höhe. David Sullivan-Kaplan ist seit wenigen Monaten der „Neue" von Razorlight. In der fast vollen Tonhalle beweist der Schlagzeuger, dass er den überraschend aus der Band ausgestiegenen Andy Burrows locker ersetzen kann.
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Er prügelt, schwitzt, schüttelt sich und reckt voller Emphase seine Drumsticks in die Höhe. David Sullivan-Kaplan ist seit wenigen Monaten der „Neue" von Razorlight. In der fast vollen Tonhalle beweist der Schlagzeuger, dass er den überraschend aus der Band ausgestiegenen Andy Burrows locker ersetzen kann.

Im energiegeladenen Powerrockeinstieg von „In The Morning“ geht Frontmann Johnny Borrell, stilecht gekleidet mit Schal und Sakko, fast unter. Immer wieder feuert er „Skully" zu minutenlangen Schlagzeugsalven an, bis Borrell kurz verschwindet, und ohne Sakko, aber mit viel Schmelz in der Stimme das Tempo drosselt und die wunderschöne Ballade „Wire To Wire" anstimmt. Das vornehmlich junge, weibliche Publikum zückt dankbar die Handys, und singt lauthals mit.

Seit ihrem Mainstream-Durchbruch mit „America" und „Wire To Wire" wird die englisch/schwedische Indierockband Razorlight gerne mit Oasis verglichen.

Und in puncto divenhaften Auftreten kann Borrell bereits mit den Gallagher-Brüdern mithalten. Ständig wechselt der androgyne, wuschelhaarige Mädchenschwarm Stimmlage und Gitarren, schmeißt mal so eben lässig ein Tambourin hinter die Bühne oder gefällt sich in theatralischen Gesten und erstarrten Posen. Von Geplauder mit dem Publikum hält Borrell eher wenig. Er lässt vor effektiv-pulsierenden Lichttürmen lieber sein beeindruckend-durchdringendes Organ für sich sprechen.

Verzerrte Grabesstimme, Sprechgesangstorpedos bis hin zu glasklaren, Gänsehaut-Höhen. Vor keiner Schwierigkeit schreckt das Bühnentier zurück. Leider auch nicht vor einem Schockabgang nach nur einer Stunde. Aber ein 20 minütiges Zugabeset mit emphatischen „It’s A Wonderful Life“-Ausbrüchen versöhnt Razorlight wieder mit seinen Fans.

Florian Koch

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