Prosecco mit Wellengang

Musikalische Naturerkundungen plus Picknick: Das Festspielkonzert des Bayerischen Staatsorchesters zog feierlustige Besucher an
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Meeresrauschen und Alpenglühn bei Traumwetter: Das Staatsorchester tankte am Samstag Frischluft und lud zum traditionellen Festspiel-Open-Air.
Daniel von Loeper Meeresrauschen und Alpenglühn bei Traumwetter: Das Staatsorchester tankte am Samstag Frischluft und lud zum traditionellen Festspiel-Open-Air.

Musikalische Naturerkundungen plus Picknick: Das Festspielkonzert des Bayerischen Staatsorchesters zog feierlustige Besucher an

"Nehmen's noch ein paar Erdbeeren. Die passen prima zum Prosecco", rät Marianne aus Trudering. Sie hat sich's mit ein paar Freundinnen auf dem Max-Joseph-Platz bequem gemacht. Mit Picknick: "Das gehört unbedingt zum Festspielkonzert, und wenn's schon mal nicht regnet, also bittschön!" Wer kann da schon nein sagen?

Wobei der Prosecco tatsächlich gepasst hat - zur flirrenden Nachmittagsschwüle, die Debussys nymphenlüsternen Faun gleich umgeben sollte. Attacca, die Jugendcrew des Bayerischen Staatsorchesters, durfte den launigen Abend eröffnen, mit betörenden Flötensoli und oszillierenden Streicherinseln. Fast hätte der bocksfüssige Lustmolch sein Nymphchen geschnappt, da kam die trötende "Hilfe" eines Martinshorns dazwischen. Schad war's, aber damit muss man rechnen beim Open Air.

Und sicher, auf dem Marstallplatz, wo sich jetzt der Festspiel-Pavillon ausbreitet, war's letztes Jahr "intimer", konnten sich musikalische Finessen mehr Gehör verschaffen. Die delikaten Steigerungen in Debussys "La Mer" gingen fast flöten, obwohl Kent Nagano und sein Staatsorchster bemüht waren, noch im heftigsten Wellengewoge die Balance zwischen Blech und Streichern zu wahren.

Richard Strauss' zünftiger angelegte "Alpensinfonie" war da die bessere Wahl. Und selbst die Elegie der Blumenwiesen, das Bächlein, der Sonnenuntergang konnten sich behaupten neben Gipfelgrösse und Sturmgewitter. Zu den letzten versöhnlichen Takten der "Nacht" gingen die Lichter an, endlos hätte man weiterhören mögen. Doch die Staatsmusiker liessen zum Abschluss den Mars aus Gustav Holsts "Planeten" martialisch auftrumpfen. Und spätestens da war der Prosecco verflogen.

Christa Sigg

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