Olga Tokarczuk: Die EU hat kapituliert

Eine Krise kommt, und sofort werden in Europa die Grenzen dichtgemacht. Die polnische Autorin Olga Tokarczuk beklagt diese Entwicklung.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
Die Nobelpreisträgeerin Olga Tokarczuk beklagt die Schwäche der EU.
Andreas Arnold/dpa/dpa Die Nobelpreisträgeerin Olga Tokarczuk beklagt die Schwäche der EU.

Frankfurt/Main - Für die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk (58) hat die Corona-Pandemie die Schwäche der Idee einer Europäischen Gemeinschaft offenbart. "Die EU hat im Grunde kapituliert und es den Nationalstaaten überlassen, in dieser Krisenzeit Entscheidungen zu fällen", schrieb sie in einem Beitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die Schließung der Grenzen halte ich für die größte Niederlage in diesen schlechten Zeiten".

Die traurige Wahrheit sei, dass im Augenblick der Gefahr das Denken in den Kategorien von Völkern und Grenzen zurückgekehrt sei. "Die vielen Grenzen, die zugeknallt wurden, und die riesigen Schlangen an den Grenzübergängen waren sicher für viele junge Menschen ein Schock. Das Virus erinnert uns: Die Grenzen existieren weiter, es geht ihnen gut."

Tokarczuk rechnet damit, dass die Welt nach dem Virus eine andere sein wird: "Vor unseren Augen verfliegt, verraucht ein Paradigma der Zivilisation, das uns über die letzten zweihundert Jahre geformt hat. Es lautete: Wir sind die Herren der Schöpfung, wir können alles, und die Welt gehört uns. Jetzt kommen neue Zeiten."

Olga Tokarczuk erhielt 2019 den Literaturnobelpreis für das Jahr 2018, der damals wegen eines Skandals bei der Schwedischen Akademie ausgefallen war. Zuletzt erschien von ihr auf Deutsch der Roman "Die Jakobsbücher".

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren