Auktionshaus Neumeister: Ein kunstvolles Servus

Das Auktionshaus Neumeister nimmt mit Versteigerungen Abschied, die einiges über die Geschichte dieser Münchner Institution erzählen.
AZ: Frau Stoll, Neumeister verabschiedet sich nächste Woche mit einer großen Auktion. Was kommt da zur Versteigerung?
KATRIN STOLL: Die Juni-Auktion versammelt jene Schwerpunkte, die das Profil des Auktionshauses Neumeister über Jahrzehnte bestimmt haben: Alte Kunst - darunter unser „Hausmaler“ Carl Spitzweg und hochkarätige Altmeister -, Moderne und Zeitgenössische Kunst, dazu feinste Skulpturen, erlesenes Kunsthandwerk, kostbare Antiquitäten, historischer und moderner Schmuck sowie angesagte Designklassiker, verführerischer Schmuck und ikonische Vintage-Handtaschen - überwiegend von Hermès und Chanel.
Sie haben noch eine Sonderauktion mit dem schönen Titel „Bierseelig“.
Ja, bei dieser Sonderauktion kommt eine kulturhistorisch bedeutende Sammlung mit 200 Objekten aus der Familiensammlung Sedlmayr und der Direktionssammlung Spatenbräu zum Aufruf. Darunter sind vor allem Ölgemälde, Zeichnungen, Bierkrüge und Porzellan. Insofern ist die Juni-Auktion ein Finale, das die Vielfalt unseres Hauses noch einmal in der ganzen Bandbreite zur Geltung bringt.

Und sonst?
Für alle Freunde des Hauses halten wir noch ein finales Zuckerl bereit: Im September überlassen wir unsere Räume der Akademie der Bildenden Künste München. Vom 18. September bis 2. Oktober wird bei uns die Debütanten-Ausstellung gezeigt - die Eröffnung ist am 17. September. Es wird sicher spannend und großartig, junge zeitgenössische Kunst und Installationen im gewohnten Umfeld zu erleben. Ein, wie ich finde, guter Schlussakkord: Es war mir immer auch wichtig, benevolent und gemeinnützig zu wirken. Zum 31. Oktober schließt Neumeister seine Türen dann endgültig.
Wie geht es jetzt mit Neumeister und mit den bei Neumeister noch befindlichen Objekten weiter?
Im Idealfall wird alles verkauft, es gibt wie immer auch einen Nachverkauf, der drei Wochen lang dauert.
Was war aus Ihrer Sicht während Ihrer Zeit als Geschäftsführerin bei Neumeister ganz besonders wichtig?
Ich habe Neumeister zum 1. Februar 2018 alleine übernommen. Damals war die Subprime Krise in den USA, im September dann die Lehman-Pleite. Für Unternehmer ist es immer wichtig, im Markt zu bleiben, sich der Marktdynamik anzupassen, neue Zielgruppen zu erschließen - und im Umgang mit der Kunst und den Traditionen „nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“ zu praktizieren. Mir war Expertise und Kompetenz wichtig, Transparenz, Fairness und Ehrlichkeit. Ich habe viele Prozesse angestoßen, ein Anliegen war, Identität stiftende Kunstgeschichte allgemein verständlich zu veranschaulichen.
Was haben Sie nun vor?
Ich freue mich auf eine Zukunft, die meiner Familie und mir mehr Zeit zugesteht. Ich habe, solange ich mich erinnern kann, gearbeitet: schon während der Schulzeit in einem sozialen Praktikum und während meines Medizin-Studiums. Ich habe drei erwachsene Kinder und zwei Enkel. Auch werde ich meinen Lehrauftrag an der Ludwig-Maximilians-Universität vorerst weiterhin ausüben sowie als „Von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige“ tätig sein. Wenn meine Expertise gefragt ist, behalte ich mir vor, sie einzubringen. Ich habe viele Interessen und keine Sorge, künftig unterfordert zu sein.
Mehr zu den Auktionen unter www.neumeister.com