Zubin Mehta: "Musik ist für mich Liebe"

Eigentlich wollte Zubin Mehta seinen 85. Geburtstag mit einem großen Konzert in Berlin feiern.
| Britta Schultejans
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Zubin Mehta bei seinem vorerst letzten Konzert mit dem Bayerischen Staatsorchester im Februar 2021 im Nationaltheater.
Zubin Mehta bei seinem vorerst letzten Konzert mit dem Bayerischen Staatsorchester im Februar 2021 im Nationaltheater. © Wilfried Hösl

Es sind ungewohnte Zeiten für Zubin Mehta. "Die halbe Woche bleibe ich einfach zu Hause. Das war ich nicht gewohnt nach 60 Jahren in dieser Branche", sagt der ehemalige Bayerische Generalmusikdirektor.

Zu Beginn der Corona-Pandemie habe er sich sogar monatelang zu Hause in Los Angeles aufgehalten. Dort, wo er normalerweise kaum sei. "Das habe ich wirklich sehr genossen. Ich habe viel gelesen."

Geburtstagskonzert im Stream

Mehta sagt das in einem Hotel in Berlin, wo er sich bis zu seinem 85. Geburtstag am 29. April aufhält. Aus der Berliner Staatsoper Unter den Linden wird das Geburtstagskonzert für ihn geben - mit ihm selbst am Dirigentenpult und seinem Kollegen und Freund Daniel Barenboim als Solist in Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 und Schuberts großer Symphonie in C-Dur als Stream.

"Das Publikum ist immer Teil der musikalischen Familie"

"Heute wird ja alles gestreamt", sagt er. "Das ist ja ein neues Wort. Und mir fehlt das natürlich", sagt der Dirigent über die großen Konzerte mit Orchester, die für ihn sonst Alltag sind.

"Das Publikum ist immer Teil der musikalischen Familie. Ich bin mit diesem Publikum aufgewachsen." Er fiebert der Entscheidung entgegen, ob er Pfingsten in Salzburg vor Publikum dirigieren darf. "Die Leute brauchen Musik. Auf jeden Fall."

Zubin Mehta: Ein musikalischer Kosmopolit

Mehta braucht sie besonders: "Musik ist für mich Liebe", sagte er vor fünf Jahren kurz vor seinem 80. Geburtstag. "Das ist es auch, was mich am Laufen hält." Mehta ist ein musikalischer Kosmopolit und in vielen Ländern der Welt zu Hause: In Los Angeles, wo er meistens wohnt, in Indien, wo er geboren wurde, in Israel, wo er eine "Liebesbeziehung" mit dem Israel Philharmonic Orchestra eingegangen ist.

Fast ein halbes Jahrhundert verbrachte er mit dem Israel Philharmonic Orchestra

2019 gab er die Leitung des Orchesters nach fast einem halben Jahrhundert der Zusammenarbeit ab. Auch in Deutschland, wo er jetzt seinen 85. Geburtstag feiert, fühlt er sich daheim. Jahrelang war er Musikchef der Bayerischen Staatsoper.

Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erinnerte er sich kürzlich an den Kühlschrank in seinem Büro im Nationaltheater, in dem frische Mangos aus seiner Heimat Indien lagerten: "Mit Sir Peter Jonas habe ich dort Mangos gegessen", sagte er über die Treffen mit seinem ehemaligen Intendanten. "Und wir haben zusammen Cricket geschaut. Wir waren beide totale Fanatiker, was das angeht."

Fast wäre er Mediziner geworden

Ursprünglich hätte er allerdings beinahe einen ganz anderen Weg eingeschlagen als den hin zu einer musikalischen Weltkarriere: Seine Familie wollte ihn zu einer Mediziner-Karriere drängen. "Meine Familie war gegen die Künstlerlaufbahn, und in Indien sucht die Familie die Berufe für die Kinder aus", erinnerte er sich einmal.

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"Ich sagte zu meinem Vater: ,Schau, wenn ihr wollt, studiere ich Medizin, aber es wird mir nicht gefallen. Ich muss Musiker werden.'" Für Orchester auf der ganzen Welt ist es ein Glück, dass er sich durchgesetzt hat. Kaum jemand ist bei so vielen Orchestern Ehrendirigent wie er, darunter bei den Münchner Philharmonikern.

Musiker schwärmen von ihm

Ein Grund: Er verlangt seinen Musikern zwar stets alles - und vor allem Präzision - ab, aber er bleibt freundschaftlich dabei. Die kanadische Cellistin Amanda Forsyth sagte einmal: "Er liest deine Gedanken, bevor Du deine Phrase spielst."

Ein Blick von ihm reiche, um sich inspiriert zu fühlen. "Er ist so poetisch mit seinen Armen, dass Du Dich wohlfühlst", schwärmte sie. "Es ist einfach schön bei Zubin. Selbst ohne Musik könnte ich einfach seine Hände beobachten."

Seine Karriere startete in Wien

Die Wiege seines musikalischen Erfolges ist Wien. Dort studierte er unter Anleitung seines Lehrers Hans Swarowsky. Die Jahre in Österreich prägten ihn und brachten ihm neben Mahler und Bruckner auch Schönberg näher.

Mehta wurde in Montréal und Los Angeles engagiert, bald schon dirigierte er - gerade einmal Mitte 20 - berühmte Orchester wie die Berliner und die Wiener Philharmoniker. Er stand bei den Salzburger Festspielen, an der New Yorker Met und an der Mailänder Scala am Pult.

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Sein Opern-Debüt gab er 1963 in Montréal mit Puccinis "Tosca". Allein mit dem Israel Philharmonic Orchestra hat der charmante Maestro mehr als 3.000 Konzerte gegeben. Den Musikern stand er sowohl im Sechstagekrieg 1967 als auch im Golfkrieg 1991 zur Seite.

Eine Milliarde Menschen verfolgten Mehta im TV

Und natürlich stand er bei der Geburtsstunde der "Drei Tenöre" am Pult, als eine Milliarde Menschen vor dem Fernseher verfolgten, wie am 7. Juli 1990 Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras erstmals gemeinsam in den römischen Caracalla-Thermen anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft auftraten.

Zuletzt machte auch seine Gesundheit Schlagzeilen. 2018 musste er sich nach Medienberichten einer Tumor-Erkrankung unterziehen, erst Anfang dieses Jahres musste er während seiner Arbeit an der Mailänder Scala ins Krankenhaus. Das sei aber alles überstanden, sagt er. "Jetzt geht es mir sehr gut."

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