Xavier Sabata und „L’Alessandro amante“

Auf seiner neuen CD zeigt der Altist Xavier Sabata die sanfte Seite von Alexander dem Großen
| Marco Frei
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Der katalanische Counter Xavier Sabata.
Michal Novak Der katalanische Counter Xavier Sabata.

Über die homoerotischen Begierden Alexanders des Großen spricht man besser nicht – jedenfalls nicht in Griechenland. Als 2002 bei einer wissenschaftlichen Tagung über das Leben und Wirken des Weltherrschers der griechischen Antike in Thessaloniki auch dieses Thema angesprochen wurde, kam es zu Tumulten. Nur unter Polizeischutz konnte die Konferenz fortgesetzt werden.

Dabei ist dieses Thema seit einer Ewigkeit bekannt. Autoren der Antike wissen von „wonnevollen Begegnungen“ zu berichten, die sich der große Alexander mit dem kleinen Eunuchen Bagoas gegönnt haben soll. Auch die Beziehung zu seinem General Hephaistion war demnach alles andere als platonisch. In den Opern des 18. Jahrhunderts, die um Alexander den Großen kreisen, wird die bisexuelle Neigung des Makedonenkönigs unmissverständlich angesprochen. Dies zeigt die neue CD „L’Alessandro amante“ von Xavier Sabata, mit der der katalanische Countertenor am Aschermittwoch in den August-Everding-Saal nach Grünwald kommt.

Bezaubernde Wellen aus goldenem Männerhaar

Da ist die Oper „L’Euleo festeggiante nel ritorno d’Alessandro Magno dall’Indie“ von Giovanni Bononcini: In ihr singt Hephaistion von der „Schönheit deiner Augen“ und den „bezaubernden Wellen deines goldenen Haares“, womit er seinen Alexander meint. „Niemals werde ich den Hafen deiner Brust erreichen.“

Der innig Besungene erwidert dies mit der Arie „Chiare faci“. Hier sehnt sich dieser einen schnellen Sieg herbei, um seinem Geliebten wieder nah zu sein. Es sind die weichen Seiten des sonst so rauen Alexander, die Sabata auf seiner CD offenlegen möchte. Passend hierzu blickt er fast schon schüchtern vom Cover der CD – noch dazu in besonderen Gelb- und Rot-Tönen, wie sie von Andy Warhol bekannt sind. Damit möchte Sabata den Pop-Art-Meister huldigen. Soviel Weichheit kann irritieren, denn eigentlich hat sich Sabata bislang auf seinen CD-Covers gern als Schurke in Pose gesetzt.

Auch Alexander der Große war durchaus ein Schurke. Jedenfalls hat er als Kriegstreiber ein Weltreich geschaffen, das bis nach Indien reichte. Noch dazu wurde den eroberten Völkern die griechische Kultur aufgedrängt.
„Ja, er konnte unbarmherzig und gewaltvoll sein, auch selbstherrlich, aber genauso überaus generös“, erwidert Sabata. Nicht zuletzt sei Alexander der Große ein „ganz normaler Mensch“ gewesen, mit Begierden und Leidenschaften.

Der Krieger der höchsten Stimmlage

Genau dieses Bild möchte Sabata mit seinem Album „L’Alessandro amante“ zeichnen. Der Titel dieser Konzept-CD geht auf die gleichnamige, verschollene Oper von Giovanni Antonio Boretti zurück. In Sabatas Alexander-Portrait fehlt Boretti ganz. Sonst aber hat Sabata andere Barock-Arien ausgegraben, die nicht unbedingt geläufig sind – obwohl Alexander der Große oft auf die Bühne gebracht wurde. Mehr als 65 Opern sind allein bekannt, die auf dem Libretto „Alessandro nell’Indie“ von Pietro Metastasio fußen. Auf der CD sind die Vertonungen von Giovanni Battista Pescetti und Leonardo Vinci vertreten.

Weitere Arien stammen von Georg Friedrich Händel und Leonardo Leo, Nicola Porpora und Francesco Mancini sowie Agostino Steffani und Antonio Draghi. Dabei zeigt sich, dass der kriegerische Alexander in der Barock-Oper in der Regel in höchster Stimmlage charakterisiert wird – samt extremen Koloraturen. Der Liebhaber Alexander schwärmt und sehnt hingegen bevorzugt im mittleren Contralto-Register.

Hierzu passt die volle, runde Altlage von Sabata ganz vortrefflich. Mit markanter Tiefe und verdunkelter Höhe gelingt dem 1976 in Barcelona geborenen und maßgeblich in Karlsruhe ausgebildeten Sänger eine nuancenreiche Reise durch die Seelenlandschaft eines Weltherrschers – ebenbürtig unterstützt von den „Vespres d’Arnardí“ mit Dani Espasa am Pult.

Vor knapp fünfzehn Jahren gegründet, wird diese Originalklang-Truppe in Katalonien längst als die Erben des großen Pioniers Jordi Savall gehandelt. Beim Konzert in Grünwald sind auch sie dabei.

Aschermittwoch, August-Everding-Saal, Grünwald, Ebertstraße 1, 20 Uhr. Karten: 20 – 30 Euro und Infos unter: www.gemeinde-gruenwald.de. Die CD „L’Alessandro amante“ mit Xavier Sabata (Countertenor) und dem Ensemble Vespres d’Arnardí unter Dani Espasa bei Aparte Music 192

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