Wincent Weiss: "Ich bin bei mir selbst angekommen"
Zehn Jahre ist es her, dass Wincent Weiss (33) mit "Musik sein" seinen Durchbruch feierte. Seitdem hat der Sänger aus dem schleswig-holsteinischen Eutin vier Studioalben und eine Weihnachtsplatte veröffentlicht, alle landeten in den Top 3 der deutschen Charts. Am 23. Januar erscheint nun sein neues Werk "Hast du kurz Zeit" - pünktlich zu seinem 33. Geburtstag am 21. Januar.
Im Interview mit spot on news spricht der Musiker, der gerade erst seine Hochzeit bestätigt hat, über das Ende der Suche und das Ankommen bei sich selbst. Außerdem erzählt der "Macher- und Ausrufezeichen-Typ" über seine biografischen Texte, blickt auf seine Karriere zurück und erklärt, warum er sein Privatleben so stark schützen will.
Ihr Albumtitel "Hast du kurz Zeit" klingt fast wie eine Midlife-Bilanz. Ist es das?
Wincent Weiss: Meine vier Alben davor hatten immer etwas mit "irgendwas" zu tun, also etwa "Irgendwas gegen die Stille" oder "Irgendwo Ankommen". Dieses Wort hat ganz viel Raum eingenommen in den letzten zehn Jahren. Jetzt gucke ich auf meine Musikkarriere zurück, gucke in die Zukunft, und alles hat etwas mit Zeit zu tun. Rausfinden, wer man ist, wo man hin will, auf der Suche sein, das Zuhause verlassen, das Zuhause wiederfinden - das ist vorbei. Und nachdem ich angekommen bin, will ich jetzt einfach die nächsten Schritte gehen, mich weiterentwickeln und mir Zeit nehmen.
Sie fühlen sich aktuell also richtig angekommen?
Weiss: Ja, auf jeden Fall. Ich bin bei mir selbst angekommen, bei den Leuten, mit denen ich sein möchte, bei der Familie und natürlich habe ich auch örtlich meine Heimat wiedergefunden. An dem Ort, an dem ich mich gerade befinde, fühle ich mich sehr, sehr gut und will noch lange dableiben. Und ich bin froh, dass ich noch Musik machen darf. Hätte ja auch keiner gedacht, dass das so lange geht.
Der Titel Ihres Albums ist aber keine Frage, obwohl er so klingt. War das bewusst so gewählt?
Weiss: Eigentlich ist es auch eine Aufforderung: Nimm dir kurz Zeit. Für Musik, für das Album, für alles, was du machen willst. Fragezeichen haben in meinem Leben generell nicht so viel Platz. Ich bin immer eher ein Macher- und Ausrufezeichen-Typ.
Früher haben Sie sich oft selbst gehetzt. Wie hat sich das geändert?
Weiss: Ich bin schon ein sehr getriebener und ambitionierter Mensch. Ich will viel zu oft höher, schneller, weiter. Mir kann es auch manchmal gar nicht schnell genug gehen, mich weiterzuentwickeln und das Ziel zu erreichen. Ich muss mich da ein bisschen bremsen. Das habe ich in den letzten zwei, drei Jahren gelernt, weil ich sehr viel Zeit mit mir selbst verbracht habe. Es gab diese Zwangspause durch Corona, danach war ich auch noch in Therapie und habe sehr viel gesprochen. Dabei bin ich mir über sehr viele Dinge klar geworden - was ich in meinem Leben machen möchte und wo ich hin will. Dann justiert man irgendwann sein Leben so, dass es ausbalanciert ist und kein ständiges Gerenne mehr. Das Leben ist ein ständiges Gehen, es fließt immer weiter, aber die Fließgeschwindigkeit kann man selbst bestimmen.
Wie gut können Sie inzwischen einfach mal nichts tun?
Weiss: Ich hasse es, nichts zu tun. Das ist für mich ganz schwer. Wenn ein Tag vergangen ist und ich gar nichts gemacht habe, was mich weiterbringt, dann nagt das schon an mir. Ich brauche Fortschritt im Alltag.
Apropos Fortschritt: Sie haben Ihr zehnjähriges Musikjubiläum schon angesprochen. Wie fühlt sich das an?
Weiss: Ich sehe mich manchmal immer noch als Newcomer. Ich dachte damals, dass ich ein klassischer One-Hit-Wonder-Typ bin. Aber irgendwie durfte ich diesen Traum des Musikmachens immer weiterleben. Dass es zehn Jahre lang geht, hätte ich niemals gedacht. Ich habe Musik gemacht, weil ich Musik machen wollte, weil mir der Schaffungsprozess und die Kreativität Spaß gemacht haben. Und ich hoffe, es geht noch lange weiter.
Gibt es irgendwas, das Sie rückblickend gerne anders gemacht hätten?
Weiss: Ich bin eigentlich kein Mensch, der zurückschaut und Dinge bereut. Ich glaube, dass ich da bin, wo ich bin, weil diese ganzen Dinge passiert sind. Ein paar Verträge, die ich unterschrieben habe, würde ich heute nicht mehr unterschreiben. Aber auch das ist ein Lernprozess. Ich glaube, man lernt immer nur aus Fehlern. Aus Erfolg lernt man nicht.
Hat sich Ihr Verhältnis zu Öffentlichkeit und Privatsphäre mit den Jahren verändert?
Weiss: Ja, auf jeden Fall. Ich bin ganz blauäugig in die Social-Media-Welt reingelaufen. Woher soll ich es wissen, wenn ich es vorher nicht gemacht habe? Ich achte jetzt schon sehr darauf, dass ich Freunde, Familie und Privatleben nicht einfach rücksichtslos ins Netz stelle. Früher war mir das egal. Ich habe einfach Bilder gepostet und dann auch Freunde gezeigt, die es vielleicht gar nicht wollten. Mittlerweile gehe ich damit viel bedachter um, denn was im Netz ist, geht halt nicht weg. Und ich möchte mein Privatleben sowie meine Freunde und Familie sehr schützen. Wenn es irgendwann mal Richtung Familie und Kinder bei mir geht, wird das nicht online passieren.
Ihre Musik ist ja dennoch sehr persönlich. Wie viel von Ihnen selbst steckt in den Texten?
Weiss: Das ist mein Ventil und mein Sprachrohr. Wenn man ein Album von mir hört, weiß man eigentlich ganz gut, wie es mir geht, in welcher Phase ich gerade stecke und was bei mir im Leben so los ist. Beim neuen Album hört man, wo ich im Leben gerade stehe, ohne dass ich es jeden Tag bei Instagram preisgeben muss. Das Ankommen und Finden der Liebe steht im Vordergrund. Aber ich habe die Heartbreak-Songs trotzdem drauf gemacht, weil das Leben nicht von hundert Prozent Positivität bestimmt ist. Es gibt immer Fragen, die man sich stellt, auch wenn man in einer Beziehung ist. Was ist, wenn das auseinanderbricht? Man denkt ja in alle möglichen Richtungen - und all die sollten auch auf dem Album Platz haben.
Im Song "Gut genug" singen Sie sich immer wieder selbst zu, dass Sie gut genug sind. Wie schwer fällt es Ihnen, das selbst zu glauben?
Weiss: Das Ziel im Leben ist, glücklich mit sich selbst zu werden. Und wenn man etwas nicht gut findet, dann ändert man es. Das Problem ist, dass die meisten Leute gut sein wollen für alle anderen: für das, was die Leute bei Social Media sagen, was die Kollegen sagen, was die Familie sagt, die Freunde. Für sich selbst glücklich zu sein, gut genug zu sein, ist das Schwierigste. Ich habe das aber ganz gut hinbekommen. Ich will jeden Tag etwas lernen und besser werden, das treibt mich an. Aber ich finde, dass ich trotzdem gut genug bin, wie ich bin.
Sie haben gerade Ihren 33. Geburtstag gefeiert. Gab es eine Party?
Weiss: Es ist eine schöne doppelte Bescherung, dass das Album mit meinem Geburtstag zusammenfällt. Ich versuche immer, an meinem Geburtstag etwas rauszubringen, weil das guter Druck für mich ist. Es ist einfacher, darauf hinzuarbeiten, wenn ich ein Ziel habe und weiß, bis zu meinem Geburtstag muss alles fertig sein. Aber für meinen Geburtstag an sich gab es keine große Party - aus dem Alter bin ich irgendwie raus. Mein Geburtstag ist mir nicht wirklich wichtig, ich mache lieber etwas für andere.
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