Wie ein Gemälde von Rubens

Nationaltheater: Giuseppe Verdis „Requiem“ unter Zubin Mehta
| Robert Braunmüller
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Zubin Mehta beim Schlussapplaus.
Wilfried Hösl Zubin Mehta beim Schlussapplaus.

Wirklich perfekte Aufführungen dieser Totenmesse sind selten. Man braucht ein perfekt eingespieltes Solisten-Quartett – womöglich die vier besten Verdi-Sänger – und einen Dirigenten mit langem Atem für Steigerungen, der auch noch eine Idee hat, wie mit Giuseppe Verdis Extrem-Wünschen wie dem drei- bis vierfachen Piano umzugehen sei.

Zubin Mehta interessiert sich beim „Requiem“ weniger für derlei Feinarbeit. Er ist ein Traditionalist, dem ein „con molto espressione“ im Zweifelsfall fünf „dolcissimi“ aufwiegen. Das „Ingemisco“ und den Andante-Mittelteil des „Libera me“ nahmen der Chor der Bayerischen Staatsoper und Krassimira Stoyanova ziemlich handfest. Aber das wäre fast schon das Einzige, was zu dieser Aufführung kritisch anzumerken wäre. Denn die Stimme der bulgarischen Sopranistin mischte sich im „Lux aeterna“ optimal mit ihrer Kollegin Ekaterina Gubanova. Der überragende Joseph Calleja vereinte Lyrismus mit Kraft, nur Kwangchul Youn blieb beim „Mors stupebit“ im Ausdruck etwas zu neutral.

Der vielgeliebte Generalmusikdirektor der Ära Jonas verstand es, jede Wiederholung des „Dies irae“ eine Spur zu steigern, ohne den Klang des Bayerischen Staatsorchesters zu übersteuern oder in Theatralik zu verfallen. Mit drängendem Tempo gönnte er dem Ohr keine Ruhepausen. Verdis „Requiem“ ist ein großes geistliches Drama von hitziger Intensität, bunt, üppig und figurenreich wie eine barocke Apokalypse, im Großformat gemalt von Peter Paul Rubens.

Zuvor erinnerte Nikolaus Bachler mit gemessenen Worten an Wolfgang Sawallisch, dessen Porträt im Foyer mit einem Trauerflor verziert war. Seine „künstlerische Persönlichkeit, seinen Arbeitsethos und seine Haltung zur Musik“ werde in der Staatsoper gegenwärtig bleiben, so Bachler vor einer Schweigeminute. Dieses „Requiem“ war ein Beweis dafür.

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