Was Mariss Jansons in der kommenden Saison plant

Über Intrigen spricht er erst in seinen Memorien: Mariss Jansons stellt das Programm der BR-Symphoniker in der kommenden Saison vor
| Robert Braunmüller
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Mariss Jansons mit dem Orchestermanager Nikolaus Pont.
Julia Müller Mariss Jansons mit dem Orchestermanager Nikolaus Pont.

Die kommende Saison ist für Überraschungen gut. In allen Konzerten des Chefdirigenten spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Stück, dessen Komponist und Titel erst hinterher verraten wird. „Ich bin sehr gespannt, wie unser Publikum darauf reagieren wird“, sagt er.

Auf das Publikum ist offenbar Verlass. Seit dem Amtsantritt von Mariss Jansons in der Saison 2003/2004 stieg die Zahl der Abonnenten von 4589 auf 10 690. Die Platzauslastung bei den Konzerten im Gasteig und im Herkulessaal liegt bei 97 Prozent.
Und diese treuen Zuhörer hören sich manchmal auch etwas Neues an. Nach den guten Erfahrungen in den Vorjahren gibt in der kommenden Saison wieder eine Prise mehr Musik aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. 45 Prozent der aufgeführten Werke entstanden im 20. oder 21. Jahrhundert. Wobei die musica viva nicht mitgezählt wird.

Bekannte Gesichter

Kent Nagano beginnt einen langfristig anlegten Messiaen-Zyklus. Der Chef nimmt sich den härtesten Brocken unter den modernen Orchester-Klassikern persönlich vor und lässt die Sirenen in Edgard Varéses „Amériques“ heulen. Außerdem dirigiert er Mahlers Fünfte und die Leningrader Symphonie von Schostakowitsch.

Groß gefeiert wird das 50-jährige Jubiläum des BR-Chors. Jansons leitet Rachmaninows „Die Glocken“ und ein Programm mit Opernchören. Simon Rattle dirigiert Haydns Oratorium „Die Schöpfung“, und Riccardo Muti kehrt mit einer Messe von Luigi Cherubini zurück. Auch die Namen der übrigen Gastdirigenten haben einen guten Klang: Esa-Pekka Salonen studiert Maurice Ravels Oper „L’Enfant et les sortilèges“ ein. Daniel Harding führt mit Antoine Tamestit ein neues Bratschenkonzert von Jörg Widmann auf. Yannick Nézet-Séguin verbindet Bruckners Siebter mit Wagner-Szenen (Solist: Bryn Terfel). Franz Welser-Möst stellt zum 100. Todestag von Max Reger dessen Requiem zur Debatte. Auch die älteren Herren sind wie immer gut vertreten: Bernard Haitink steht Mahlers Dritter vor, John Eliot Gardiner verordnet Brahms eine Schlankheitskur und bringt Haydn mit Strawinsky zusammen.

Gastkonzerte führen das Orchester in die Reger-Stadt Weiden, nach Würzburg, Bad Kissingen, Wien, Paris, Luzern und Mailand. Im April 2016 unternimmt das BR-Symphonieorchester eine USA-Tournee.

Eine Intrige im Kunstministerium?

Das Orchester verstärkt sein Kinder- und Jugendprogramm. „Da wäre mehr möglich, wenn wir einen eigenen Konzertsaal hätten“. Womit wir beim Dauer- und Lieblingsthema des Chefdirigenten wären. Jansons sieht sich als Opfer einer „zehnjährigen Intrige“ des Kunstministeriums. Worin diese genau besteht, wollte er nicht ausführen: „Erst in meinen Memoiren!“.

Der Dirigent ist sich sicher, dass die von Dieter Reiter und Horst Seehofer erwogene Zwillingslösung für den Gasteig nicht kommen wird. „Ich hoffe, dass die Politiker erkennen werden, dass ihre Entscheidung ein Fehler war“. Darauf scheinen die Analysen einer Arbeitsgruppe hinauszulaufen. Jansons hofft auf einen Bau am Finanzgarten. Es sei „Demagogie“, hier die Zerstörung eines Parks zu beklagen.

Aber vielleicht klingelt bei Jansons am 11. Mai nach der Chefdirigenten-Wahl der Berliner Philharmoniker das Handy. Doch darüber denkt der Lette im Moment nicht nach. Sagt er jedenfalls. Aber das behaupten alle Herren, die angeblich auf der Liste stehen.    

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