Interview

Wagner-Oper im Sugar Mountain: Chaos der Hormone

Andreas Wiedermann über seine Inszenierung von Richard Wagners komischer Oper "Das Liebesverbot" im Sugar Mountain.
| Robert Braunmüller
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Wagners Oper "Das Liebesverbot" in Andreas Wiedermanns Inszenierung im Sugar Mountain, einem ehemaligen Zementwerk.
Wagners Oper "Das Liebesverbot" in Andreas Wiedermanns Inszenierung im Sugar Mountain, einem ehemaligen Zementwerk. © Aylin Kaip

Die freie Operntruppe um den Regisseur Andreas Wiedermann und den Dirigenten Ernst Bartmann zeigt jährlich im September eine selten gespielte Oper. Dieses Jahr waren es die "Hugenotten" von Giacomo Meyerbeer. Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Richard-Wagner-Verbands und einer damit verbundenen Tagung bringt Opera Incognita am Samstag Wagners zweite Oper "Das Liebesverbot" im Sugar Mountain heraus.

AZ: Wagner bezeichnete "Das Liebesverbot" als "große komische Oper". "Groß" widerspricht Ihrem Ansatz einer Taschenausgabe, und "komisch" ist Wagner auch selten.
ANDREAS WIEDERMANN: Groß meint zuerst einmal die Länge: Wagner denkt in Tonnen und kann nicht kurz. Wir haben die Oper um eine Stunde gekürzt, was ihr gut tut, denn manches Finale wiederholt sich endlos. Das Stück wirkt dadurch stärker.

Und wie halten Sie es mit der Komik?
Wir haben einige der burlesken Szenen und Figuren reduziert. Bei uns ist "Das Liebesverbot" keine "Große komische Oper", sondern eher ein Psychothriller. Das passt auch zum eher krassen Spielort, in dem die donizettihaften Momente nicht wirken würden.

Sugar Mountain erinnert Wiedermann an einen Fight-Club

Die Aufführung findet im Sugar Mountain statt. Das kennt (noch) nicht jeder. Wie schaut es da aus?
Das ist ein ehemaliges Betonwerk in Sendling. Wir spielen in einer großen Halle, die klaustrophobisch wirkt, obwohl sie sehr groß ist. Teilweise sind noch Spuren der ursprünglichen Verwendung sichtbar. Die Betreiber haben in den Raum einige mit Stegen verbundene Plateaus hineingebaut. Das sieht ein wie ein Fight-Club aus. Oder wie eine Anstalt oder ein Gefängnis.

Warum wird denn im "Liebesverbot" die Liebe verboten?
In einem fiktiven Sizilien herrscht Anarchie. Ein humorloser Statthalter aus Deutschland soll für Ordnung sorgen. Er spricht nicht nur ein Liebesverbot aus, sondern untersagt jede Form von Volksfesten oder öffentlichen Versammlungen. Auch Körperkontakt und Alkohol sind untersagt. Das würde funktionieren, wenn er sich nicht in die Schwester des allerersten Opfers seines Gesetzes verlieben würde.

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Diese Verbotsfreude könnte einem bekannt vorkommen.
Ich habe das Gesetz, das in der Oper vorgelesen wird, ein wenig nachgeschärft und mich dazu hinreißen lassen, einige heutige Formulierungen einzubauen. Im Grunde geht es in der Oper um die Frage, was Moral ist und was der Moralist wirklich will. Friedrich tritt bei uns als sportlicher, vitaler Selbstoptimierer auf. Er hat einen klaren Auftrag, die Gesellschaft zu disziplinieren. Er ist schon in der Vorlage, Shakespeares "Maß für Maß" ein puritanischer Eiferer, der das Volk zur Arbeit anhalten will, um es vor dem Chaos der Hormone zu bewahren.

Was ist das Komische an der Oper?
Die amourösen Verwicklungen, die am Ende teilweise aufgelöst werden.

Wagner für Wagner-Verächter 

Wie groß ist das Orchester?
Ernst Bartmann hat die Partitur für elf Musiker bearbeitet, was sehr gut geht, weil es weniger um die Harmonik geht, sondern um Melodien.

Wo klingt Wagner in diesem Frühwerk schon wie Wagner?
Die Musik ist in ihrer Leichtigkeit auch für Wagner-Verächter anhörbar. Wenn die Figuren Gefühle entdecken, von denen sie nichts wussten, bekommt die Musik eine Abgründigkeit und Tiefe, die Konventionen der komischen Oper sprengt. Aber drumherum hört man viel Donizetti oder auch Mozart.

Welche Verbote gelten für den Zuschauer?
Es gilt die 3-G-Regel mit Maskenpflicht. Der Raum ist für 200 Personen zugelassen.


Premiere am 17. Oktober, 18 Uhr (geschlossene Vorstellung) im Sugar Mountain, Helfenrieder Str. 11, U-Bahn Machtlfinger Str. Karten für die Vorstellungen am 22. und 23. Oktober um 19 Uhr (59 und 69 Euro, Studierende 15 Euro) bei Münchenticket

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