Vorzeitig verkaterter Beethoven mit den Münchner Philharmonikern
Am Philharmonischen Chor hat es jedenfalls nicht gelegen. So viel lässt sich mit Sicherheit sagen. Der sang das Finale wie immer klangschön. Und ganz leicht klangen auch die schwierigen Stellen am Ende der „Ode an die Freude“, die den Sopranistinnen Extremes zumuten.
In der Isarphilharmonie hört man seit vier Jahren endlich, wie gut dieser von Andreas Herrmann geleitete Chor ist. Gnadenlos legt das Gasteig-Interim aber auch offen, wenn etwas schief geht. Daran mangelte es bei dieser Aufführung von Ludwig van Beethovens Symphonie Nr. 9 nicht. Sie klang am Tag vor Silvester so, als würde sie mit Kater am Neujahrsvormittag vom Blatt gespielt.
Die Dirigentin Eva Ollikainen schaffte das Kunststück, die Münchner Philharmoniker nicht wie sie selbst klingen zu lassen: stachelig in den Bläsern, scharf in den Streichern und mit gnadenlos übersteuerten Pauken im ersten Satz.
So schlecht kann diese Dirigentin nicht sein
Klar, am Beginn der Reprise darf es schon apokalyptisch krachen. Aber erstens nur da, und zweitens wäre auch hier von unstrukturiertem Lärm dringend abzuraten.

Auch die erste der beiden Tempo-Rückungen am Ende des Satzes trat nicht unfallfrei ein. Dann fand die Dirigentin aus der Verlangsamung auch nicht mehr heraus. Das Scherzo war vor allem knallig, der langsame Satz litt unter einer unbefriedigenden Klangbalance zwischen Bläsern und Streichern.
Unausgewogene Solisten
Irgendeine Form von Kontemplation oder Empfindsamkeit sollte sich hier schon einstellen. Aber die Bläsersoli wurden nur abgeliefert, weil die Dirigentin offenbar von niemandem Ausdruck einforderte. Und von selbst klingt sich dieser Satz nun wirklich nicht.
Im Finale störte das seltsamerweise von der Mezzosopranistin (Anna Kissjudit) dominierte Solistenquartett. Die Sopranistin Tuuli Takala blieb unauffällig. Dem Bariton (Jóhann Kristinsson) fehlte es für sein Solo an vokaler Autorität. Und einen lyrischen Tenor wie Angel Romero sollte man nicht so laut begleiten, dass er bereits am Anfang seines schwierigen Solos keine Chance mehr hat.

Eva Ollikainen ist Schülerin von Leif Segerstam und Jorma Panula. Sie hat bei angesehenen Orchestern gastiert und kann nicht so schlecht sein, wie sie sich hier präsentierte. Aber auch die Philharmoniker könnten bei diesem Traditionstermin künstlerisch mehr Fantasie wagen.
Es ist kein riskantes Experiment mehr, vor der Neunten ein kurzes, womöglich gar zeitgenössisches Stück zu spielen. Aber das neue Jahr bringt auch einen neuen Chefdirigenten und womöglich auch frische Ideen zum Jahreswechsel.

