Verschollene Symphonie: Bitte viel öfter spielen!

Die Bamberger Symphoniker haben unter Jakub Hruša die erste Symphonie von Hans Rott eingespielt.
| Michael Bastian Weiß
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Hans Rott (1858 - 1884) war Lieblingsschüler von Anton Bruckner und wurde von Johannes Brahms ruiniert.
Atelier Mertens, Mai und Cie Hans Rott (1858 - 1884) war Lieblingsschüler von Anton Bruckner und wurde von Johannes Brahms ruiniert.

Ein kleines Gesellschaftsspiel für Musikbegeisterte: Man lege einmal diese CD auf und lasse raten, welcher Komponist erklingt. Garantiert werden die Lösungsvorschläge zwischen Anton Bruckner und Gustav Mahler schwanken. Auf die richtige Antwort wird niemand kommen. Kein Wunder: Die Symphonie Nr. 1 von Hans Rott wurde erst vor etwas über 30 Jahren wiederentdeckt und uraufgeführt. Immer noch wird sie viel zu wenig gespielt.

Verbindung zwischen Bruckner und Mahler: Hans Rott

Ihre Bedeutung ist kaum hoch genug einzuschätzen, ist sie doch das "Missing link" zwischen Anton Bruckner, dessen Lieblingsschüler Rott war, und Rotts jüngerem Kollegen Gustav Mahler. Beim Hören von Rotts fast einstündigem Werk zuckt man mindestens vier, fünf Male zusammen, weil man die betreffende Stelle annähernd wörtlich aus Mahlers Symphonien kennt.

Wohlgemerkt vollendete Rott seinen Erstling 1880 - ganze fünf Jahre, bevor Mahler seine erste Symphonie begann. Wir wollen daher pietätvoll von Hommagen Mahlers an Rott sprechen, der da bereits verstorben war, im Alter von 25 Jahren und unter tragischen Umständen.

So frappierend das alles ist - muss man Hans Rotts Symphonie Nr. 1 in E-Dur wirklich kennen? Ja, unbedingt; und man wird sie nicht mehr missen wollen. Es gibt von ihr noch kein Dutzend Aufnahmen. Und diese Einspielung von Jakub Hruša ist zweifellos eine der besten. Nicht nur klingen die Bamberger Symphoniker unter ihrem Chefdirigenten in umwerfend satter Sinnlichkeit aus und wurden von der Tontechnik in detailreicher Transparenz eingefangen.

Erste wegweisende Schritte in eigener Ästhetik

Viel mehr noch. Hruša erkennt oder fühlt (oder beides), was der zwanzigjährige Komponist wohl im Sinn hatte, etwa, wenn er den wunderschönen, aber kurzen Kopfsatz auf einen imposanten Höhepunkt hin entwickelt. Und er zeichnet hellsichtig nach, wie Rott sich spätestens im Scherzo vom verehrten Lehrer Bruckner emanzipiert - und weit in die Zukunft voraus schaut.

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Im Dickicht von Wiederentdeckungen sticht dieses noch viel zu wenig bekannte Werk einsam heraus, weil man, sobald man sich mit ihm vertraut gemacht hat, etabliertes Repertoire tatsächlich mit anderen Ohren hört.


Hans Rott: Symphonie Nr. 1 E-Dur; Bruckner: Symphonisches Präludium; Gustav Mahler: "Blumine"; Bamberger Symphoniker, Jakub Hruša (DG)

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