Valery Gergiev und Hélene Grimaud im Gasteig

Als Auftakt des Festivals „MPhil 360 Grad“ dirigiert Valery Gergiev in der Philharmonie die Münchner Philharmoniker, die Pianistin Hélene Grimaud spielt Beethoven
| Michael Bastian Weiß
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Als Auftakt des Festivals „MPhil 360 Grad“ dirigiert Valery Gergiev in der Philharmonie die Münchner Philharmoniker, die Pianistin Hélène Grimaud spielt Beethoven

In Sachen Strawinsky macht den Münchner Philharmonikern keiner etwas vor, wenn sie unter ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev spielen. Insofern ist dieses Programm, wenn man so will, ein gutes Omen für Gergievs künftige Münchner Zeit, die nach der jüngsten Vertragsverlängerung nun mindestens bis zum Jahr 2025 andauern soll.

Die „Symphonien für Blasinstrumente“ von Strawinsky hat Gergiev vor ein paar Jahren schon einmal dirigiert, als er sein Amt noch gar nicht angetreten hatte. Im Vergleich zu dieser früheren Aufführung wirken die filigranen Taktwechsel heute noch organischer und das gemeinsame Musizieren in der Philharmonie noch natürlicher, sicherer.

Gergiev hat nun die Chance, in München eine echte Ära zu begründen. Wenn man hört, wie geschickt er auch im Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur von Ludwig van Beethoven mit der Klangtradition der Philharmoniker arbeitet, könnte man urteilen, dass diese schon begonnen hat.

Eine reflektierte, ja ideale Interpretation

Mit nachgiebigen Tempi entwickelt Gergiev die einzelnen Sätze aus einem Guss. Seine Solistin Hélène Grimaud kann mit dieser Ruhe viel anfangen. Mit ihrem distinkten Anschlag, der wirkt, als ob er von der Charakteristik des Hammerklaviers inspiriert wäre, verschmilzt sie die Töne nicht, sondern reiht sie atmend aneinander. Selten erscheint der Klavierpart so feingliedrig. Alle nehmen sich Zeit, geheimnisvolle Passagen zurückzuhalten, und das oft verhetzte Finale wird erst zum Schluss ganz aufgedreht. Hier kann eine außerordentlich reflektierte, ja, eine ideale Interpretation entstehen.

Das „Pétrouchka“-Ballett von Igor Strawinsky hatten die Philharmoniker noch unter Gergievs Vorgänger Lorin Maazel gespielt. Während dieser die Partitur symphonisch realisiert hatte, wie am Reißbrett, geht Gergiev pragmatischer vor. Den zuckenden Gesten der Holzbläser fehlt vielleicht das letzte Quäntchen Präzision, es setzt auch einmal eine Gruppe zu spät ein. Doch dafür fassen Gergiev und die Philharmoniker die einzelnen Episoden unwiderstehlich bildhaft auf – man höre nur etwa das schwere Tapsen des Bären im letzten der Tableaus. Gergiev dirigiert keine symphonische Musik, sondern ein Ballett.

Da passt es gut, dass bei den nächsten beiden Aufführungen dieses Programms auch tatsächlich getanzt wird: Zu Gast ist das Mariinsky Ballett von Gergievs russischem Stammhaus in St. Petersburg. Es sind nicht zuletzt solche deutsch-russischen Kooperationen, die Gergievs Münchner Ära bereichern.
 
Weitere Aufführungen am 24. und 25. Februar (19 und 11 Uhr, jeweils mit Ballett), 26. Februar (20 Uhr, konzertant), Karten unter Telefon 54 81 81 400

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