Valery Gergiev dirigiert den 3. Aufzug von "Parsifal"

Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker mit dem dritten Aufzug von Wagners „Parsifal“ im Gasteig
| Robert Braunmüller
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MÜNCHEN Bei Mozart oder Beethoven mag er enttäuschen. Aber Wagners böse Grübelmusik kann er wie kaum ein anderer. Ein paar Takte des stockenden Vorspiels zum dritten Akt von Wagners „Parsifal“ – und der dunkle Klang der philharmonischen Streicher erglüht wie Kohlenfeuer in der Finsternis.

Valery Gergiev lässt sich Zeit. Viel Zeit. Und die braucht er auch, weil er die Intensität dieser Musik und ihre schwarzen Abgründe ernst nimmt: etwa sehrende, von den Bratschen beherrschte Streicher-Stelle nach Kundrys Taufe, über die viele Kollegen hinwegdirigieren, weil sie nach der Helligkeit des Karfreitagszaubers lechzen.

Gergiev dagegen kostet Leiden und Schmerz voll aus. Dabei mag ihm seine Schostakowitsch-Erfahrung helfen. Selbst über den lichten Bläser-Soli liegt ein Schatten der Trauer. Und der Versuchung, falsche Feierlichkeit zu verbreiten, erliegt er auch nicht.
René Pape sang den Gurnemanz mit großer Deutlichkeit und jenem Hauch von bitterer Strenge, der dieser Rolle bekommt. Sergej Semishkur enttäuschte als Parsifal mit Geflacker, phonetisch angelerntem Deutsch und unpassenden Farben. Für den erkrankten Evgeny Nikitin übernahm der respektable Albert Dohmen die Szene des Amfortas.

Die Gralsritter hat man schon schärfer, fordernder und wilder gehört als vom Philharmonischen Chor (Einstudierung: Andreas Herrmann). Für die paar Takte „Erlösung dem Erlöser“ waren sogar die Augsburger Domsingknaben aufgeboten als Stimmen aus der höchsten Höhe: Ein schöner Klang–Luxus, wie ihn sich nur der öffentlich subventionierte Kulturbetrieb leisten kann.

Eigentlich wäre ein „Parsifal“-Akt allein bereits abendfüllend. Aber es gab noch ein eher routiniert abgespultes Vorprogramm: Der junge Schwede Daniel Lozakovich geigte brav Mozart-Violinkonzert KV 207. Gergiev wiederholte seine bräsig-witzlose Deutung von Sergej Prokofjews „Symphonie classique“. Dann lieber Wagner satt – und bald, wenn möglich einen konzertanten „Tristan“. Oder gleich den ganzen „Ring“.
 

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