Ulf Schirmer dirigiert Lortzings "Zum Groß-Admiral"

Ulf Schirmer und das Rundfunkorchester mit einer unbekannten Lortzing-Oper im Prinzregententheater
| Michael Bastian Weiß
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Ulf Schirmer, der ehemalige Chefdirigent des Rundfunkorchesters, leitet nun als Intendant die Leipziger Oper.
Peter Endig/dpa Ulf Schirmer, der ehemalige Chefdirigent des Rundfunkorchesters, leitet nun als Intendant die Leipziger Oper.

"Zum Groß-Admiral? Zu wem oder was, bitte?“ Wer so auf die Plakate zu diesem Konzert reagiert hat, braucht sich nicht zu genieren. Diese komische Oper von Albert Lortzing kennen selbst nur wenige Fachleute. Schon kurz nach der Uraufführung von 1847 war sie abgesetzt und danach kaum nachgespielt worden.

Der Dirigent Ulf Schirmer, der erstmals seit seinem Abschied dort das Münchner Rundfunkorchester besucht, ist also wieder einmal auf Entdeckertour. Die Gesamtaufnahme, die im Zuge der konzertanten Aufführung im Prinzregententheater produziert wurde, wird nach menschlichem Ermessen die erste sein.

Im Mittelpunkt der Handlung steht eine freundliche Intrige, mit der dem englischen Prinzen Heinrich, einem gedankenlosen Abenteurer, der Ernst des Lebens wieder nahegebracht werden soll. Bernhard Berchtold singt ihn mit gebührend leichtem Spieltenor, mehr gutmütig als draufgängerisch. Eingefädelt wird die kleine Charade von seiner Frau Catharina, die Anett Fritsch mit vibrierender Lebensfreude darstellt, aber leider nach ihrer ersten Szene bis zum Finale die Bühne verlassen muss; und vom Grafen Rochester, gesungen vom Amerikaner Jonathan Michie, der mit heldischer Strahlkraft und makelloser Diktion seine Rolle zum Mittelpunkt des Ensembles macht.

Austeilen gegen die Italiener

Eher unverbunden zu diesem Handlungsstrang entwickelt sich eine zarte Liebschaft zwischen dem Pagen Eduard und der jungen Betty. In der Hosenrolle des Eduard hat Julia Sophie Wagner Gelegenheit, sehr gekonnt einen italienischen Gesangslehrer zu mimen. Die Musikstunde mit diesem und seiner Schülerin Betty (charmant: Lavinia Dames) ist nicht nur dramaturgisch dankbar, sondern auch eine der interessantesten Szenen der Oper, weil sie Lortzing, ähnlich wie in „Zar und Zimmermann“, Gelegenheit gibt, den Musikbetrieb selbst auf die Bühne zu bringen.

Lustvoll teilt er gegen die seinerzeit von den Italienern dominierte Opernwelt aus. Alle Figuren treffen sich im titelgebenden „Groß-Admiral“, einem Wirtshaus, das von einem ehemaligen Kapitän geführt wird. Diesen gibt der Bass Martin Blasius schön brummig, seine Ballade mit der geräuschvoll ausgemalten Anekdote einer Seeschlacht gegen Frankreich ist eine der Glanznummern des Stücks.

Inszenieren muss man diese Oper nicht unbedingt. Dafür ist sie doch zu harmlos. Wenn man sie aber konzertant aufführt, muss man es so machen wie Ulf Schirmer. Mit dem Münchner Rundfunkorchester kriegt er nicht nur einen spritzigen, modulationsreichen, kurz: echt frühromantischen Klang hin. Er animiert auch die Musiker, sowohl die originellen als auch die konventionellen Momente der Partitur so liebevoll zu spielen, dass dieses lange vergessene Stück endlich wieder eine Chance bekommt.

Die Gesamtaufnahme wird auf dem Label cpo erscheinen. Nachhören kann man die Aufführung auf rundfunkorchester.de sowie sowie auf br-klassik.de

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