Udo Lindenberg: Ein Bett im Doppelkornfeld

Zum Siebzigsten im Mai bringt Udo Lindenberg ein neues Album heraus. Die Single „Durch die schweren Zeiten“ erscheint schon am Freitag.
| Dorit Koch
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Im Spätherbst eines starken Lebens: Udo Lindenberg auf dem Cover seines neuen Albums „Stärker als die Zeit“
Tine Acke/Warner Music Im Spätherbst eines starken Lebens: Udo Lindenberg auf dem Cover seines neuen Albums „Stärker als die Zeit“

Für richtige Rocker ist spätestens mit 50 Feierabend. Das dachte Udo Lindenberg früher. 2008 feierte der Rockstar mit „Stark wie Zwei“ sein Erfolgscomeback und landete den ersten Nummer-Eins-Hit seiner jahrzehntelangen Karriere. Er tourte durch die großen Hallen, brachte ein eigenes Musical in Berlin auf die Bühne und große Rockrevuen in Stadien.

Neuen Stoff aus dem Studio aber lieferte der Musiker kaum. Auf dem „Rock-Olymp“ sei die Zeit knapp geworden, sagt Lindenberg. Doch just bevor der Panikrocker im Mai 70 Jahre alt wird – und damit ein Alter erreicht, das locker 20 Jahre über dem früher von ihm überhaupt erwarteten liegt, wie er sagt – will er es krachen lassen. Sein neues Album „Stärker als die Zeit“ erscheint im April, das erste Lied daraus – die Single „Durch die schweren Zeiten“ – am heutigen Freitag.

 

Hohes Ziel: Diesmal soll es um die Unsterblichkeit gehen

 

Nach Alkoholabstürzen und musikalischen Durststrecken, oft nur belächelt bis bemitleidet, dann noch einmal gelobt und gefeiert zurückzukehren – das habe den Druck und die Zahl der schlaflosen Nächte vor einem neuen Album ziemlich erhöht, sagt der Sänger. „Da geht es mir wie einem Stabhochspringer, der muss auch immer wieder mindestens genauso hoch auf der Messlatte, wenn nicht noch höher.“

Irgendwann habe er gemerkt: „Okay, ich bin jetzt ready für ‘ne neue Platte.“ Themen und Ideen für neue Songs habe er gesucht – „investigativ wie ein Detektiv“. In Hamburg, wo Lindenberg Dauerbewohner des Hotels „Atlantic“ ist, in Berlin, seinem zweiten Zuhause, und auf Reisen, zumeist nach Los Angeles, sei er fündig geworden. Zusammengearbeitet habe er mit anderen Musikern, darunter häufiger Söhnen von Ex-Kollegen.

„Durch die schweren Zeiten“ entstand gemeinsam mit Alexander, dem Sohn von Liedermacher Rolf Zuckowski. Einen „sehr persönlichen Song“ und einen „Kumpel“ nennt Lindenberg, auf dessen Konto inzwischen 600 Lieder gehen, die erste Auskopplung. „Es geht um Freundschaft – für mich das höchste Gut. Darum, dass dir jemand zuverlässig zur Seite steht, auch wenn die Zeiten mal schwieriger werden, es rutschig wird.“

 

"Ich kenn die Unterwelt, ich kenn die Oberwelt."

 

Solche Zeiten seien ihm vertraut, „wenn ich unterm Kneipentisch schwer umnachtet meine Texte auf Bierdeckel gekritzelt habe, nur noch den Highligen Geist an meiner Seite“, sagt er. „Ich kenne das Leben von oben bis unten. Ich kenn die Unterwelt, ich kenn die Oberwelt.“ Eine Hymne auf „Freundschaft und Komplizenschaft“ sei das Lied. Nach dem Motto: „Gemeinsam kriegen wir das gejuckt.“ Über die weiteren Titel auf seiner neuen Platte, die teilweise auch in den legendären Abbey Road Studios in London aufgenommen wurde, will Lindenberg noch nicht viel erzählen. „Wir sind auf den letzten Metern der Fertigstellung“, sagt er. Das große Thema des Albums sei auch wirklich groß: War „Stark wie Zwei“ dem Überleben gewidmet, soll es diesmal um nicht weniger als die „Unsterblichkeit“ gehen: „Irgendwann dachte ich schon, es wäre ein bisschen schade drum, wenn die Nachtigall verstummt. Ist doch ein sehr schöner, privilegierter Beruf, den ich da habe.“

Dass er am 17. Mai 70 wird und trotz einst „diverser Wirkstoffe und dem ganzen Whisky-Gegurgel“ noch immer auftritt, ist für ihn ein „medizinisch-biologisches Wunder“. Vermutlich unterliege er ohnehin nicht der irdischen Zeitzählung, sagt der Sänger: „Bin wohl mal von einem Meteoriten über Gronau runtergefallen, direkt ins Doppelkornfeld.“

Kurz nach dem 70sten will er zu den letzten Shows seiner dreijährigen Stadion-Trilogie aufbrechen. „Was danach kommt? Abenteuer gehen weiter, dann werd ich wieder hinter die Horizonte gucken.“ Eine Abschiedstour käme für ihn nie infrage: „Mit neun Jahren habe ich angefangen mit der Musik und für mich war das immer ein klares Ding. Ich hatte keinen Plan B. Ich werde Musik machen, bis ich eines Tages auf der Bühne sterbe – in den Armen einer schönen Frau oder eines schönen Mannes.“


Udo Lindenberg spielt am 24. und 25. Mai in der Olympiahalle. München-Ticket, Tel: 54 81 81 81

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