Tschaikowsky mit Denis Matsuev und Yuri Temirkanov

Denis Matsuev und das St. Petersburg Philharmonic Orchestra unter Yuri Temirkanov mit Tschaikowsky im Gasteig
| Robert Braunmüller
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Denis Matsuev stammt aus Irkutsk. 1998 gewann er den Tschaikowsky-Wettbewerb in der Sparte Klavier.
CAMI Denis Matsuev stammt aus Irkutsk. 1998 gewann er den Tschaikowsky-Wettbewerb in der Sparte Klavier.

Richtig schlecht wird das Klavierkonzert Nr. 1 von Peter Tschaikowsky nie gespielt. Dafür ist es zu schwer. Viele Pianisten kommen mit diesem Werk technisch klar. Aber darin erschöpfen sich die meisten Aufführungen auch schon.
Denis Matsuev ist da einen Schritt weiter. Der 41-jährige Russe streichelt den Tiger, als sei es ein Kätzchen. Auch kurz vor Schluss, wenn fast alle Pianisten vom Orchester übertönt werden, bleibt er der souveräne Dompteur der Musik.

Aber auch da gibt eine Handvoll Kollegen, die das ähnlich souverän schaffen. Das Erstaunliche ist, wie Matsuev dieses Konzert interpretiert. Er gibt sich nicht mit dem Pathos und der großen Geste zufrieden. Er spielt damit. Auch bei Kraftstellen überrascht eine unglaublich differenzierte Klangkultur. Da dröhnt nichts. Bei ihm fällt das Konzert auch nicht nach dem ersten Satz ab. Und die phänomenale Technik steht auch nicht im Vordergrund: Sie ist Mittel zum künstlerischen Zweck.

Durch Nacht zum Licht

Matsuev entdeckt in einmaliger Weise die Leichtigkeit hinter der Schwere. Er begreift die Brillanz des französischen Liedes „Man muss sich vergnügen, tanzen und lachen“ im Mittelteil des zweiten Satzes als gesteigerte Antwort auf das düstere Pathos des ersten. Und im Finale triumphieren Heiterkeit und tänzerische Lebensfreude über den Weltschmerz.

Das St. Petersburg Philharmonic Orchestra setzte dazu einen traditionalistischen Kontrapunkt. Als Begleitung störte das nicht. Die Symphonie Nr. 5 enttäuschte allerdings durch denkmalhafte Starre.

Aus der Zeit gefallen

Yuri Temirkanov setzte mit einer riesigen Streicherbesetzung (10 Kontrabässe!) auf einen satten Klang, der mehr als einmal an Wirkungen bei Jean Sibelius erinnerte. Das hatte seinen eigenen Reiz – aber auch Schattenseiten, denn im Finale blieb der Siegesflug des Schicksalsthemas wegen der Klangbleigewichte am Boden haften.

Matsuev brillierte nach dem Konzert mit eher unbekannten Zugaben: der Rêverie aus Tschaikowskys „Album für Kinder“ und einer hochvirtuosen Skriabin-Etüde. Das Orchester verabschiedete sich mit einer Bearbeitung von Schuberts Moment musicaux Nr. 3 – eine seltsam aus der Zeit gefallene Sicht auf diesen Komponisten. Kräfte der Beharrung beim Dirigenten und ein unglaublich neugieriger Solist fanden an diesem Abend auf das Russischste zusammen.

Matsuev spielt am 20. Oktober mit den Münchner Philharmonikern unter Valery Gergiev Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 4

 

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