Trotz Gluthitze in München: The Weeknd liefert gigantische Show in der Allianz Arena

The Weeknd begeistert München bei unfassbarer Hitze, liefert eine sensationelle Pyro-Show und deutet seinen Abschied an – das steckte wirklich hinter dem Riesenspektakel.
von  Christoph Streicher
The Weekend live auf der Buehne in Muenchen, damals im Olympiastadion (Archivbild).
The Weekend live auf der Buehne in Muenchen, damals im Olympiastadion (Archivbild). © Jens Niering (Jens Niering)

So heiß war es bei einem Konzert in der Allianz Arena noch nie. Die Fans kämpften mit tropischen Temperaturen, um den kanadischen R&B-Superstar The Weeknd ("Can‘t Feel My Face") zu sehen. Der Sänger zeigte keine Klima-Gnade: In gut zwei Stunden presste er eine gigantische, 40 Songs starke Feuer-und-Pyro-Show und deutete kryptisch seinen Abschied an. Wohl dem, der die speziell aufgestellten Trinkwasserbrunnen in der nicht ganz ausverkauften Arena fand und seinen Becher kostenlos auffüllen konnte. 

Der Star selbst (eher im herbstlichen Look mit langer Hose, Stiefeln, militärischer Weste und anfangs mit Maske) hatte im Vorfeld seine ganz eigene Methode, um mit der Gluthitze umzugehen: Er mietete einen kompletten, klimatisierten Kinosaal. Im Cinema-Filmtheater an der Nymphenburger Straße zockte Abel Tesfaye (so sein bürgerlicher Name) mit seiner Crew auf der Riesenleinwand das japanische Videospiel "Persona 3 Reload".

Futurismus auf der Bühne: The Weeknd rockt die Allianz Arena

Dessen düster-futuristische Ästhetik stand unverkennbar Pate für das monumentale Bühnenbild. Am Mittelkreis thronte eine gigantische, golden verchromte Frauen-Skulptur des Illustrators Hajime Sorayama. Ein metallisch glänzender, retro-futuristischer Android von kühler, erotischer Eleganz, der abwechselnd Laserstrahlen und Nebelschwaden spie. Zu Füßen dieses Roboters tauchten immer wieder 30 Tänzer aus verchromten Ruinen auf. Zu beneiden waren sie unter ihren goldenen Masken und langen roten Roben wahrlich nicht. Zum Song "Open Hearts" strömten sie mit schwarzem Nebel wie bei einem okkulten Ritual auf die riesige, kreuzförmige Bühne. Es hätte an dieser Stelle niemanden gewundert, wenn hier plötzlich ein neuer Papst gewählt worden wäre.

Ein Arena-Rekord ist dem 36-Jährigen mit den drei aufeinanderfolgenden Megashows in München sicher. Wer allerdings sein letztes Konzert vor drei Jahren im Olympiastadion gesehen hatte, wurde stellenweise enttäuscht. Abseits von Änderungen an der Setlist mit Hits aus dem neuen Album "Hurry Up Tomorrow" regierte das Prinzip wie in der Bäckerei: Gutes von gestern. Die "After Hours Til Dawn”-Tour mit über 170 Stopps läuft schlicht zu glatt, als dass Anpassungen oder neue Erfindungen nötig wären.

"Kalter Kaffee" kommt bei Hitzekonzert an

Dieser kalte Kaffee war am Ende aber extrem gut verträglich, weil er eben mit globalen Radio-Hits wie "Blinding Lights" (der meistgestreamte Song der Welt) oder "Save Your Tears" serviert wurde. In seiner tanzbaren Mischung aus düsterem R&B und nostalgischem 80er-Jahre-Synthie-Pop erzählt der Kanadier im Kern allerdings immer vom Gleichen. Von toxischen Liebeleien, exzessiven Partynächten, Drogen und der Melancholie des Ruhms. 

Singen kann der Mann: Seine Stimme schnitt bei der Ballade "Call Out My Name" glasklar und hochemotional durch das Stadion. Damit der Sound auch in den obersten Rängen stimmte, hatte die Crew extra Lautsprecher unter dem Dach montiert. Nach anfänglichem Wummern saß der Bass nach gut zehn Songs.

Fede (2. von links) und ihre Freundinnen waren schon um 6 Uhr morgens an der Arena für einen Platz in der ersten Reihe
Fede (2. von links) und ihre Freundinnen waren schon um 6 Uhr morgens an der Arena für einen Platz in der ersten Reihe © C. Streicher

Anhängerin Fede und ihre Freundinnen standen bereits seit sechs Uhr morgens an der Arena. Im Vorfeld verteilten sie tausende weiße Luftballons, die die Zuschauer kurz vor Schluss um 23 Uhr zum Song "House of Balloons" in den Münchner Nachthimmel streckten. Eine Mühe, die sich lohnte: Fede durfte ihr Idol schon treffen. "Er ist total bodenständig und super herzlich. Für die Ballon-Aktion hat er sich mehrmals persönlich bedankt", berichtet sie der AZ.

Pyro-Knaller in der Allianz Arena

Bei "São Paulo" feuerten die Pyrotechniker alles ab, was die Flammenwerfer hergaben, jede minimale Abkühlung durch den Abendwind war schlagartig dahin. Zu "Take My Breath" hieß es dann atemlos durch die Nacht, als Tesfaye das ganze Stadion zum kollektiven Hüpfen brachte. Verschnaufpausen gab es nur, wenn der Star mit verschränkten Armen in die Ränge grinste und den kreischenden Applaus genoss. Oder kurz ins Publikum stiefelte, um zwei fassungslosen Fans bei "I Feel It Coming" ein Autogramm auf ihr Plakat zu kritzeln und einer Anhängerin bei "Out Of Time" das Mikrofon ins Gesicht zu halten.

Wer zum großen Finale den gewohnten Pyro-Urknall nach dem Hit "Moth To A Flame" erwartete, wurde allerdings enttäuscht: Das Abschlussfeuerwerk fiel aus. Zu groß war die Gefahr, dass das filigrane Luftkissen-Dach der Arena Schaden nimmt.

Bleibt die Frage: War es vielleicht der letzte Auftritt des Megastars in der Stadt? Bei "Save Your Tears" fügte er eine vielsagende, kryptische Zeile hinzu. "Nur noch ein Jahr, dann verschwinde ich", sang er und streckte drohend die Eins in die Kamera, ein Hinweis auf das nahende Ende seines Alter Egos "The Weeknd"? Wer den Kanadier vor seinem möglichen Abschied noch einmal live erleben will, muss schnell sein: Für das zweite und dritte Konzert gibt es noch vereinzelte Resttickets. 

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