The Cure in Berlin: Wie Robert Smith eine neue Generation erreicht

Toupierte schwarze Haare, verschmierter roter Lippenstift, eine Stimme, die die ganze Melancholie der Welt transportiert: Robert Smith (67) ist eine absolute Ikone. Ab dem 10. Juli gastiert der Frontmann mit The Cure für drei Shows in der Berliner Wuhlheide. Doch wer glaubt, hier treffe sich nur die Ü50-Post-Punk-Fraktion, irrt gewaltig. Auch die Gen Z verehrt den "Godfather of Goth" mittlerweile.
Wer eine Karte für eines der drei ausverkauften Konzerte bekommen hat, dürfte Zeuge eines faszinierenden Generationentreffens werden. Neben Fans der ersten Stunde im originalen 80er-Jahre-Goth-Outfit werden auch Teenager stehen, die sich in Vorfreude auf den Mann üben, der seit fünfzig Jahren das Gesicht von The Cure ist. Robert Smith hat es geschafft, die Brücke zwischen der analogen Melancholie des vergangenen Jahrhunderts und den viralen Playlists von heute zu schlagen.
Das ungleiche Traum-Duo
Der aktuelle Hype um den 67-Jährigen kommt nicht von ungefähr. Für ihr aktuelles Album holte sich Pop-Phänomen Olivia Rodrigo (23) den Musiker an die Seite, nachdem sie ihn auf Festivals schon zu Gastauftritten überreden konnte. Ihr gemeinsamer Song "What's Wrong With Me" entwickelte sich binnen kürzester Zeit zum Streaming-Hit.
Was auf den ersten Blick wie ein bizarres Crossover wirkt, ergibt auf den zweiten Blick perfekt Sinn. Rodrigo hat oft betont, wie sehr sie The Cure verehrt. Ihre hochemotionalen Trennungssongs greifen genau das Gefühl auf, das Smith in den 80ern perfektioniert hat: Liebeskummer, Weltschmerz und ungefilterte Teenager-Angst. Rodrigo schwärmte in Interviews von der Zusammenarbeit und zeigte sich ehrfürchtig vor Smiths Songwriting. Smith gab sich wiederum fasziniert von seiner Kollegin, ihrer Musik und "wie leicht ihr das alles fällt".
Dass diese generationenübergreifende Freundschaft Spuren hinterlässt, zeigt sich auch in den Zukunftsplänen von The Cure. Robert Smith verriet kürzlich, dass hinter den Kulissen bereits an neuem Material gearbeitet wird. Eines der neuen Alben werde wohl auffallend "poppig" und könnte Fans durchaus an seine Zusammenarbeit mit der 23-jährigen Olivia Rodrigo erinnern. "Es ist meine Idee von Cure-Pop. Es ist wahrscheinlich 20 BPM langsamer als alles, was sie tut. Aber [im Vergleich dazu,] was wir die letzten paar Jahre gemacht haben, rockt es wirklich. Es knallt", kündigte er im Interview mit BBC Radio 6 an.
Der "Goth-Großvater" als unfreiwilliges TikTok-Phänomen
Smith ist nicht nur ein Zufallsfund der Gen Z in der Plattenkiste ihrer Eltern, sondern genau, was dieser Generation fehlt. Der ultimative Antagonist, das Gegenteil des algorithmisch optimierten Popstars. Sein Style - den er seit Jahrzehnten ungerührt beibehält - ist auch auf TikTok längst Kult. Smith ist extrem "memebar", wie schon seine "South Park"-Folge zeigte. Clips von seinen eigenwilligen Tanzschritten oder seinen herrlich trockenen Interview-Antworten generieren Millionen von Klicks. Er ist authentisch, weil er sich sichtlich nicht darum schert, was gerade im Trend liegt.
Dazu kommt sein politisches und wirtschaftliches Rückgrat: Unvergessen bleibt sein erfolgreicher Social-Media-Feldzug gegen den Ticket-Giganten Ticketmaster, bei dem er für seine Fans bezahlbare Ticketpreise und die Rückerstattung überzogener Gebühren durchsetzte. Ein Act der Fairness, den man bei vielen heutigen Mega-Stars vergeblich sucht.
Weltschmerz ist en vogue
Auch musikalisch sind The Cure weiterhin relevant. Ihr letztes Album "Songs of a Lost World" wurde von Kritikern weltweit als düsteres Meisterwerk gefeiert, oft mit ihrem legendären Album "Disintegration" verglichen und bescherte der Band historische Charterfolge.
Weltschmerz ist eben angesagter denn je und das in allen Generationen. Robert Smith hat sich nicht an den Zeitgeist anpassen müssen, der Zeitgeist ist einfach bei ihm angekommen.