Swing und Schlager: Das alles war Max Greger

Von Latino-Rhythmen bis Ski-Gymnastik: über das swingende Werk Max Gregers
| Christian Pfaffinger
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München - Als er zurückkehrte, als ein Überlebender aus Hitlers letztem Aufgebot im aussichtslosen Krieg, da wusste er, was Freiheit ist. Und wie sie klingt. Leichtfüßig und federnd kam sie daher. Diese Freiheit, sie war der Tanz, nicht der Marsch. Und Max Greger verliebte sich in diesen Klang, diesen Rhythmus, dieses Gefühl. Es sollte ihn sein ganzes Leben lang begleiten.

Max Greger, eine Legende des Swing, ist am Wochenende im Alter von 89 Jahren gestorben. Er musizierte seit seinem zehnten Lebensjahr, nachdem sein Opa ihm ein Akkordeon geschenkt hatte. Und in knapp acht Jahrzehnten spielte er sich durch Tausende Stücke – vom seichtesten Schlager bis zum anspruchsvollen Jazz. Er trat in kleinen Musikclubs in München auf, füllte große Konzertsäle, exportierte den Sound des Westens hinter den Eisernen Vorhang und wurde mit seiner Musik eine feste Größe im deutschen Fernsehen. Immer mit dabei hatte er: den Swing. Etwas, das man seiner Meinung nach entweder hat – oder eben nicht. Und er hatte ihn.

Trotzdem fängt alles mit Volksmusik an. Freilich, zu Max Gregers Jugendzeiten ist der Jazz noch kaum über den Atlantik gedrungen, und überhaupt will die „Negermusi“ eh keiner hören. Das ändert sich nach dem Krieg. Die Musik der amerikanischen Befreier wirkt auf viele nahezu elektrisierend. Auch auf Greger. Er saugt sie auf, diese energiegeladene Musik der Besatzer. Die GIs liebten sie, weil sie eine Erinnerung an daheim war. Und Max Greger spielte sie für die Soldaten in den Casinos.

Das ist der Grundstein seiner Karriere, die sich musikalisch bald aufgliedert. Er wird bekannter, spielt Volkstümliches und Schlager für den Rundfunk, steht oft am gleichen Abend aber auch auf Jazzbühnen in der Stadt, etwa im „Kellerclub“ in Freimann oder später im „domicile“ in Schwabing. Er blies Seichtes aus seinem Saxophon und entlockte demselben Instrument wenige Stunden später Bebop.

Mit dem Ruhm kam der Kommerz. In den 70ern gab es kaum eine Sparte, die Greger mit seiner Bigband nicht bearbeitete. Samba und Hüttengaudi, Dixieland und Ski-Gymnastik – und Greger stand nicht mehr nur auf Bühnen, sondern auch auf Dampfern oder in Gärten.

Für ihn war das kein Ausverkauf, ganz im Gegenteil. Denn Max Gregers Leidenschaft war die Unterhaltungsmusik im Wortsinn. Hören, tanzen, glücklich sein – so sollte seine Musik wirken. Und das geht eben mit Glenn Millers „In the Mood“ ebenso wie mit der „Fischerin vom Bodensee“. Von Jazz bis Schlager – das alles war Max. Die Kunst dabei war Gregers Ausstrahlung als Bandleader, seine fröhliche Eleganz, die auch bei den flachen Nummern nicht verloren ging. Und seine Leidenschaft für die Musik, die er so liebte – weil sie für ihn die Freiheit bedeutete.

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