Sportfreunde Stiller: Die netteste Band mit den nettesten Fans

Drei Konzerte in drei Hallen spielen die Sportfreunde Stiller. Los geht’s in der Kongresshalle mit einem spektakulären Stagedive.
| Jasmin Menrad
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Rote Fanherzen für die Sportfreunde Stiller am Sonntag in der Alten Kongresshalle.
min Rote Fanherzen für die Sportfreunde Stiller am Sonntag in der Alten Kongresshalle.

Intim ist das Wort, das ein Sportfreunde Stiller Konzert wohl am besten und das am Sonntag in der Alten Kongresshalle im Besonderen beschreibt. „In München gibt’s viele Leute, die schon länger auf unsere Konzerte gehen, als es uns gibt“, sagt Florian. Zwanzig Jahre rocken die Indies aus Germering schon. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem München-Triple: Sonntag Alte Kongresshalle, Montag Tonhalle, heute Muffathalle – immer ausverkauft. Die ewigen Hits der ewigen Jungs funktionieren noch immer: „Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist!“ oder „Ich, Roque“.

Aber es gibt noch das neue Album „Sturm & Stille“ und das mag live nicht so recht zünden, zu belanglos, zu austauschbar. Das neue „Komm schon“ beginnt mit einem sinnigen „Bab-bababa“ und reimt permanent das Wort „Nacht“ („Abgemacht – sowas geht in so ‘ner Sommernacht“). Die Fans hören ohnehin nicht zu. Sie haben was vorbereitet. Nach dem Song reißen sie ihre Arme mit roten Pappherzerln hoch und in der Loge Schilder mit „In all den wunderbaren Jahren“. Das finden die Sportis „krass schön“. Es sieht auch wirklich krass schön aus, wenn die Herzerl im Takt der Musik wippen.

Munter werden die Instrumente durchgewechselt: Rüdiger Linhof spielt Bass, Keyboard, Fußorgel, Klavier und singt. Bei „Lass mich nie mehr los“ spielt Rüdiger lässig das Klavier mit einer Hand und verpasst seinen Einsatz beim Handwechsel. Passiert. Peter Brugger singt jedes Wort überdeutlich, spielt Schlagzeug und Gitarre. Florian stellt beim Akustik-Set sein Mini Drumset vors Schlagzeug und spielt ein reduziertes „Rotweinflaschengrün“. Gegen Ende des zweieinhalbstündigen Konzerts kommt er mit seinen Fußballstrümpfen hinterm Schlagzeug hervor, um „Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“ zu performen. Man muss es leider sagen: Florian kann überhaupt nicht singen. Aber er legt eine solche Freude an den Tag, dass es zumindest Spaß macht, ihm dabei zuzusehen.

Ein sportlicher Stagedive: Die Fans tragen Peter auf Händen

Während der anekdotischen Ansagen kommen aus dem Publikum immer wieder Zwischenrufe. Von der Bühne wird runtergewitzelt. Aus den Reihen der Fans zurückgequatscht. Der Fußballtrainer, nach dem sich die Sportfreunde Stiller benannt haben, ist ebenso da wie Anita vom Biedersteiner Fasching, die Rüdiger damals in die Band gebracht hat. Irgendwann sitzt Peter im Publikum und macht Selfies mit den Fans, während die Band von der Bühne frotzelt. Zurück bei seiner Band gibt er Florian einen Kuss. „So ein Kuss mit Zunge ist schön und herzerwärmend“, kommentiert Peter.

Herzerwärmend ist besonders der letzte Song „Auf der guten Seite“. Dass sie auf ebendieser stehen, haben die Sportis schon gezeigt, als sie ihre Fans dazu aufrufen zur Kundgebung von Bellevue di Monaco am Donnerstag zu kommen. „Auf der guten Seite“ also spielen die Kollegen fröhlich weiter, während sich Peter von den Fans durch die Halle tragen und auf die Loge des Balkons heben lässt. Da hängt er dann wie eine Galionsfigur des deutschen Indierocks am Geländer. Kurz zögert Peter, immer mehr Fans strecken ein paar Meter unter ihm die Hände in die Höhe. Dann lässt er sich in die Menge fallen. Applaus, Applaus. Das war sportlich. Nach dem Konzert bleibt das Gefühl, dass die Sportfreunde Stiller die wohl netteste deutsche Band mit den nettesten Fans sind.

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