So war der Piaf-Abend von Patricia Kaas

Liebesgrüße aus dem Trenchcoat: Die Kaas interpretiert Piaf
| Michael Stadler
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Die französische Sängerin Patricia Kaas im Admiralspalast in Berlin: Sie kreierte mit Konzertabend «Kaas chante Piaf» eine Hommage an die vor 50 Jahren verstorbene Sängerin Piaf und interpretiert dabei 21 Songtitel der Ikone.
dpa Die französische Sängerin Patricia Kaas im Admiralspalast in Berlin: Sie kreierte mit Konzertabend «Kaas chante Piaf» eine Hommage an die vor 50 Jahren verstorbene Sängerin Piaf und interpretiert dabei 21 Songtitel der Ikone.

Liebesgrüße aus dem Trenchcoat: Die Kaas interpretiert Piaf

Wer eine Hommage an Edith Piaf zusammenbauen will, der kann durchaus bei einem Epos landen. Im Fall von Patricia Kaas nimmt das gleich Hollywood-Dimensionen an: Ein Vorspann führt die Helden des Abends ein, dazu hört man schwelgerische Streicherklänge aus der Feder von Filmkomponist Abel Korzeniowski, der mit dem Royal Philharmonic Orchestra die Musik  für „Kaas chante Piaf“ eingespielt hat. Es ist eine CD und dann auch ein Konzert der hochfahrenden emotionalen Geste.

 „Mon dieu“: Kaas kniet auf einem Schemel, und die Anbetung gilt wohl weniger dem Herrn als dem Spatz aus Paris. Von der Statur sind sie sich ähnlich, wenngleich die zierliche Kaas doch etwas größer als die einst 1,47 Meter messende Piaf ist. Kaas versteht es beeindruckend, den Raum mit ihrer lebhaften Präsenz, ihrer Stimme, ihrem verführerischen Charme einzunehmen. Drei versierte Musiker begleiten sie, ein Pianist, ein Geiger und ein dirigierendes Multitalent, das Akkordeon und Gitarre spielt und für den Einsatz der aufgenommenen Orchesterpassagen die richtigen Tasten zur richtigen Zeit drückt.

Kaas interpretiert die Chansons mit ihrem etwas tieferen, gleichsam starken Gesang entschlossen neu. Schön ist vieles, kitschig auch. In einem Einspielfilm fragt Kaas Alain Delon, einst Freund der Piaf: „Willst du leiden?“ Ja, sagt er, und es folgt eine mollige Schmerzensversion des damals doch beschwingten „Milord“. Das melancholische Tangogefühl von  „Emporte-moi“ übertragt sich auch in der Kaas‘ Version, „Les blouses blanches“ bekommen die Synthieklänge einer kaputten Mechanik verpasst. Dennoch: Kaas, wie sie im rosa Negligé schwört, sie sei nicht verrückt  - das hat was.

Mit einem durchtrainierten Tänzer geht sie nur dezent auf Tuchfühlung, dafür erklingt strahlend „La vie en rose“. Und während man sich noch überlegt, wie es wäre, wenn Helene Fischer einen Marlene-Dietrich-Abend geben würde, beschließt Kaas das Konzert mit „Non, je ne regrette rien.“ Was gibt es schon zu bereuen? Begeisterter Applaus für eine, nein, zwei große Damen des Chanson.

 

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