So schön wie die allererste Verabredung

Der Charmeur Michael Bublé feiert mit einer Frau aus dem Publikum in der ausverkauften Olympiahalle Geburtstag und trifft auch sonst mit seinem Hundeblick die Herzen aller Hörer
| Carolina Zimmermann
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Die singende Jukebox: Michael Bublé ist in erster Linie ein Charmebolzen.
Warner Music Die singende Jukebox: Michael Bublé ist in erster Linie ein Charmebolzen.

Irgendjemand hat Robbie Williams mal als ein „musikgewordenes Mehrgenerationenhaus“ bezeichnet. Das war nicht unbedingt als Kompliment gemeint, passt aber auch auf den Popklassik-Verwerter Michael Bublé. Was er macht, ist nicht umwerfend originell oder mutig. Aber es gefällt – in erster Linie den Frauen, die am Donnerstagabend maßgeblich dazu beitrugen, dass der Kanadier vor einer ausverkauften Olympiahalle spielte. Fast wirkte die Halle zu klein für den Sänger, der mit seinem explodierenden Charme auch locker weitere 10<TH>000 Menschen um den Finger gewickelt hätte.

Keine zwei Sekunden nach „Fever“, dem ersten Song des Abends, hüpft Michael Bublé von der Bühne und legt grinsend den Arm um eine Frau, die an diesem Tag laut selbstgemaltem Plakat Geburtstag hat. Wie er die Halle dazu bringt, der Frau ein Ständchen zu singen, wie er mit ihr schäkert, Küsschen verteilt, das alles ist so charmant und liebenswert, dass man schon versteht, warum er seit über zehn Jahren so erfolgreich ist. Während er sich musikalisch ganz auf die Unsterblichkeit seiner Idole wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin verlässt, garantieren ihm sein Witz und sein Lausbubenlächeln das nötige Quäntchen Persönlichkeit, das ihn davor bewahrt, einfach ausgetauscht zu werden.

„It’s A Beautiful Day“ – einer der vier selbstgeschriebenen Titel auf seinem neuen Album „To Be Loved“ wird begleitet von kitschigen Videoprojektionen. Vor lauter Goldregen achtet man kaum noch auf die Musik. Aber vom Kitsch-Vorwurf würde sich der Entertainer kaum umwerfen lassen. Jemand, der dafür sorgt, dass in seiner Show zu „All You Need Is Love“ mengenweise Papierherzen ins Publikum geschossen werden, während weitere Herzen sich munter auf der Leinwand tummeln, kann keine Angst vor Kitsch haben. Und wenn er den Menschen erzählt, wie einzigartig sie sind und wie viel es ihm bedeutet, dass jeder von ihnen viel zu viel Geld für seine Eintrittskarte ausgegeben hat, dann legt er sich dabei die Hand auf die Brust, seufzt tief und setzt seinen schönsten Hundeblick auf. Er kann das.

„Das Konzert heute soll ablaufen wie ein erstes Date! Erst berühren wir nur ganz verschämt wie zufällig unsere Hände und am Ende will ich, dass wir alle übereinander herfallen!“ Als Bublé zum Schluss den Daft-Punk-Sommerhit 2013 „Get Lucky“ covert, kommt er der Einlösung seines Anfangsversprechens schon ziemlich nah. Nach – vor allem für die wandelnde Jukebox Bublé – schweißtreibenden zwei Stunden holt der Sänger endlich Luft und verabschiedet sich, ganz ohne Mikrofon, mit einem kleinen A-Cappella-Ständchen.

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