„So lange er nichts Pro-Israelisches sagt oder tut“

Der Beziehungsstatus der Münchner Philharmoniker und Belgien bleibt schwierig. Im vergangenen Jahr wurde das Orchester bei einem Festival in Gent ausgeladen, weil sich der designierte Chefdirigent Lahav Shani nicht in ausreichender Form vom Gaza-Krieg distanziert habe und als Musikchef des Israel Philharmonic Orchestra der israelischen Regierung nahe stehe.
Der Schritt traf in Deutschland auf scharfe Kritik. Dem Flandern Festival wurde Antisemitismus vorgeworfen. Der belgische Regierungschef Bart de Wever ging klar auf Distanz und sprach von einem Schaden für sein Land.
Kürzlich gab das Brüsseler Kulturzentrum Bozar sein Jahresprogramm bekannt: mit einem Gastspiel der Philharmoniker unter Shani mit der niederländischen Geigerin Janine Jansen. Aimen Horch, der Chef der flämischen Grünen bezeichnete das für November anberaumte Gastspiel nach Medienberichten als „völlig unannehmbar“. Shani sei der „kulturelle Botschafter eines Regimes, das Völkermord begeht und illegale Kriege führt, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden“, kritisierte der 1996 in Algerien geborene Politiker, der als Flüchtling nach Belgien kam.
„Nun mal ihr Chefdirigent“
Das Brüsseler Konzerthaus will an dem Konzert festhalten. Bozar-Chef Christophe Slagmuylder betonte, die Philharmoniker und ihr Chef würden „nirgendwo sonst boykottiert“. Shani werde auch nicht als Vertreter Israels eingeladen. „Ein Orchester kommt unweigerlich mit einem Dirigenten, und das ist in diesem Fall nun einmal ihr Chefdirigent“, so Slagmuylder zur Tageszeitung „De Standaard“. Das gelte zumindest solange, wie Shani „nichts Pro-Israelisches sagt oder tut“, fügte er hinzu.

Inzwischen haben sich aus Protest auch der grüne Kulturpolitiker Jos Gheysels, der Filmemacher Mohamed Ouachen und die Kuratorin Els Silvrants-Barclay aus dem Verwaltungsrat des Brüsseler Konzerthauses zurückgezogen.
Bei den eben von einer Asien-Tournee zurückgekehrten Philharmonikern ist zu erfahren, dass die belgische Debatte einen Einzelfall darstelle. Shanis Chefposition in Tel Aviv sei andernorts kein Thema, weder in Frankreich, noch in der Schweiz, Österreich und in London, wo das Orchester mit seinem Chefdirigenten Anfang September in der Royal Albert Hall gastiere. Auch die USA-Reise mit Anne-Sophie Mutter anläßlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums werde störungsfrei vorbereitet.