Seit umschlungen, Partygänger!

Das erste Clubkonzert der Münchner Philharmoniker in den Postgaragen an der Hackerbrücke
| Marco Frei
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Immer schön lässig: Der junge spanische Dirigent Pablo Heras-Casado.
Felix Broede Immer schön lässig: Der junge spanische Dirigent Pablo Heras-Casado.

Das erste Clubkonzert der Münchner Philharmoniker in den Postgaragen an der Hackerbrücke

Die Party war schon voll im Gang, als die Musik abgedreht wurde. Hinter einem Vorhang kamen die Konturen eines Orchesters zum Vorschein. Überrascht blickten die Partygäste um sich, prompt fiel der Vorhang. Da saßen sie, die Münchner Philharmoniker. Die Discogänger staunten nicht schlecht, zumal der Tanz des Bergkönigs aus Griegs „Peer Gynt“ und der fünfte ungarische Tanz von Brahms einen ungeheuren Beat entfachen können. Und doch war dieser Überraschungscoup der Philis nur ein Höhepunkt unter vielen.

Denn zuvor haben sie in den Postgaragen, die leider vom Abriss bedroht sind, das erste symphonische Partykonzert in München gestemmt. Auch im Rest der Republik ist das eine Seltenheit – selbst in Berlin, wo klassische Clubkonzerte längst zum Alltag gehören. Dafür haben sich die Philis die  neunte Symphonie Schostakowitschs vorgeknöpft, eine perfekte Wahl: Sie ist nicht zu lang und arbeitet mit bissiger Groteske. Mit Pablo Heras-Casado stand zudem ein junger Musiker am Pult, der gegenwärtig zu den spannendsten Orchesterleitern seiner Generation zählt.

Berührungsängste kennt der Spanier nicht, und die neue Musik beherrscht er genauso wie die Originalklang-Praxis. Ein solcher Dirigent von morgen wäre für die Philis nach Lorin Maazel der richtige Chef gewesen. Statt in der Neunten von Schostakowitsch Effekte zu überzeichnen, was man bei einem Partykonzert erwarten würde, wurden die Farben und die Dynamik fein ausbalanciert. Dasselbe galt für die fünf Lieder aus Mahlers „Wunderhorn“-Zyklus, wobei die Kanadierin Measha Brueggersgosman für dieses Konzertformat die beste Wahl war. Mit Witz führte die Sopranistin, die in Augsburg studiert hat, durch die Lieder.

Auch hier thronten nirgends billige Effekte, die Partygäste wurden ernst genommen. Deswegen trugen die Musiker auch normale Konzertkleidung. „Lasst uns gegenseitig kennen lernen, so wie wir sind“ – das war die glückliche Devise. Und wenn Partygäste nach dem Überraschungs-Gig der Philis „Zugabe!“ rufen, während klassisches Gasteig-Publikum zu Discomusik ein Getränk schlürft, ist das Konzept besser aufgegangen als erhofft. Menschen aus unterschiedlichen Welten haben sich getroffen und beschnuppert – neugierig und offen. Dieses Partykonzert war in jeder Hinsicht eine absolute Sternstunde der Extraklasse – Bingo, Respekt! 

 

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