Sarah Traubel singt Arien für Josepha Weber

Die Sopranistin Sarah Traubel hat ein Album mit Arien für Josepha Weber aufgenommen, Mozarts erster Königin der Nacht
| Michael Bastian Weiß
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Die 1986 in Leimen geborene Sarah Traubel ist die Großnichte der amerikanischen Sopranistin Helen Traubel, die über ein Jahrzehnt an der Metropolitan Opera Wagner sang.
Harald Hoffmann Die 1986 in Leimen geborene Sarah Traubel ist die Großnichte der amerikanischen Sopranistin Helen Traubel, die über ein Jahrzehnt an der Metropolitan Opera Wagner sang.

Eigentlich müsste sich Sarah Traubel auf diesem Album bemühen, wie eine „faule, grobe, falsche Personn“ zu singen, „die es dick hinter den ohren hat“ - zumindest, wenn sie der titelgebenden Josepha gerecht werden wollte. Denn mit solchen harschen Worten beschreibt Wolfgang Amadeus Mozart 1781 in einem Brief an seinen Vater seine Schwägerin.

Die Sängerin Josepha Hofer, geb. Weber, war die älteste Schwester von Mozarts späterer Frau Constanze, und der junge Komponist hat sie vielleicht auch deshalb so unvorteilhaft charakterisiert, um die Vorzüge seiner Auserwählten umso heller erscheinen zu lassen. Auch rauften sich die beiden schlussendlich zusammen: Josepha verkörperte in Wien einige von Mozarts Frauenfiguren, die Rolle der Königin der Nacht aus der „Zauberflöte“ wurde ihr gar auf den Leib geschrieben.

Nun singt Sarah Traubel alle diese Arien weder faul, noch grob, noch falsch. Doch spürt sie ihrer Vorgängerin Josepha auf diesem Konzeptalbum auch ohne eine solche Anverwandlung mit viel Liebe nach. So hat sie interessante Arien von Zeitgenossen Mozarts ausgegraben, von denen fünf sogar noch nie eingespielt wurden.

Die jüngere Diva überflügelt die historische

Zwar sind Singspiele wie „Der Tyroler Wastl“ von Jacob Haibel oder „Der Spiegel von Arkadien“ von Franz Xaver Süßmayr heute vergessen. Doch die daraus ausgewählten Stücke lassen vermuten, dass die Virtuosität von Josepha Hofers Koloratursopran die Tonsetzer enorm inspirierte; herausragend etwa die Arie „Ha! Wohl mir! Höre es Natur!“ aus dem „Labyrinth“, einer Fortsetzung der „Zauberflöte“, komponiert vom seinerzeit populären Peter von Winter (dessen Grab man übrigens auf dem Münchner Südfriedhof besuchen kann).

Mit ihrer sagenhaften Höhe und blendenden Beweglichkeit schafft es Sarah Traubel, anschaulich zu machen, was Josepha Hofer drauf gehabt haben muss; in rasendem Tempo und dennoch deutlich phrasiert fliegen die Töne vorbei. Es scheint sogar möglich, dass die jüngere Diva die historische überflügelt, bemängelten zeitgenössische Kritiker an Josephas Stimme doch auch eine gewisse Piepsigkeit.

Sarah Traubel hingegen kann die schöne Glätte ihres Timbres über den gesamten Stimmumfang garantieren; selbst die Mittellage in „Dove sono“ („Le nozze di Figaro) oder die tiefen Passagen der „Marternarie“ („Entführung aus dem Serail“) tönen äußerst attraktiv. Betont sei auch, dass die Prager Philharmonie PKF unter Jochen Rieder eine sorgfältig ausartikulierte Orchesterbegleitung beisteuert. Das ist nicht ganz unwesentlich, weil das Orchester bei Mozart immer eine ganz eigene Welt eröffnet – und diese hier auf moderne Weise präsent gemacht wird.

„Arien für Josepha“: Sopranarien von Mozart, Haibel, Righini, Süßmayr, von Winter u. a., Sarah Traubel, Sopran; PKF - Prague Philharmonia, Jochen Rieder (Sony)

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