Rolf Zuckowski: Weihnachtswerbung ist ein Problem

Zur besinnlichen Zeit ist der Musiker Rolf Zuckowski mit seinen Weihnachtsliedern wieder in vielen deutschen Wohnzimmern präsent. Jetzt hat der Komponist verraten, wie in seiner Familie Weihnachten gefeiert wird.
| (hom/spot)
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Rolf Zuckowski ist der Meister der Weihnachtslieder
ddp images Rolf Zuckowski ist der Meister der Weihnachtslieder

Hamburg - Die Adventszeit ist für Rolf Zuckowski eine ganz besondere Zeit. Das drückt sich alleine schon durch seine zahlreichen Weihnachtsalben aus. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news hat der Hamburger Komponist und Erfinder der "Weihnachtsbäckerei" private Einblicke in das Weihnachtsfest seiner Familie gegeben und dabei verraten, warum ihm Dekoration wichtig ist, er auf Schnee hingegen verzichten kann.

Sehen Sie auf MyVideo den Musik-Clip zu Rolf Zuckowskis Song "leiseStärke"

 

Herr Zuckowski, vor gut zwei Jahren haben sie sich von der Bühne zurückgezogen. Haben Sie anschließend die Adventszeit intensiver mit der Familie verbringen können?

 

Rolf Zuckowski: Im vergangenen Jahr habe ich viel mehr Zeit für die Familie gehabt. Das war wirklich sehr schön. Ich kann mich an sehr viele schöne Stunden in der Adventszeit erinnern. In diesem Jahr werde ich durch das Projekt "Zeit der Wunder" bis zum zweiten Advent leider nicht so viel Zeit haben. Aber die letzten zwei Adventswochen kann ich dann wieder der Vater und Opa sein, den meine Kinder und vor allem meine Enkelkinder gerne haben wollen.

 

Einer ihrer größten Hits ist zweifelsohne "In der Weihnachtsbäckerei". Wie steht es denn um ihre persönlichen Backkünste?

 

Zuckowski: Mäßig. Ich kann gut ausstechen und Plätzchen verzieren. Naschen kann ich ganz besonders gut. Aber das Backen hat sich auch nie so in mein Leben geschlichen, weil ich zur Adventszeit meist unterwegs war. Außerdem gab es ja auch nie den Bedarf, denn die Plätzchen von meiner Frau und meinen Kindern schmeckten immer gut.

 

Wie wird Heiligabend in der Familie Zuckowski gefeiert?

 

Zuckowski: Für norddeutsche Verhältnisse sehr traditionell und normal. Es gibt einen Tannenbaum, auch gerne etwas größer, weil die Kinder das lieben. Unsere großen Jungs haben ja noch keine Familie, die sind an Heiligabend eigentlich immer bei uns - manchmal bleiben sie sogar für zwei Nächte. Meine Tochter hat mittlerweile vier Kinder, da möchte sie dann schon erst mal den Heiligen Abend mit ihrem Mann und ihren Kindern alleine verbringen. Zudem ist ihr Mann aus Ingolstadt und natürlich möchten auch seine Eltern mal die Enkelkinder bei sich haben, so dass es auch durchaus sein kann, dass wir uns erst am zweiten Weihnachtsfeiertag sehen. Dann ist eben da für uns Weihnachten.

 

Wird dann auch noch richtig mit Bescherung gefeiert?

 

Zuckowski: Das gehört nach wie vor dazu. Am 23. Dezember wird zuvor der Baum gemeinsam mit unseren großen Kindern geschmückt, das ist dann eigentlich mehr eine Party. Am 24. Dezember wird dann die letzte Stunde vor der Bescherung die Tür zum Wohnzimmer geschlossen, dann klingelt das Glöckchen, die Kinder kommen in die Stube, wo hell der Tannenbaum erstrahlt, und die Geschenke werden verteilt. Diesen Moment finden wir nach wie vor sehr faszinierend und ich freue mich sehr, dass unsere großen Kinder das alles noch mitmachen.

 

Gibt es bei Ihnen zur Weihnachtszeit sonst noch Rituale?

 

Zuckowski: Meine Frau macht auch heute noch die Adventskalender für unsere großen Söhne selber. Zuhause haben wir selber auch einen, wobei der mittlerweile meist mehr von den Enkelkindern geplündert wird. Ansonsten dekoriert meine Frau am Abend vor dem ersten Advent die Wohnung weihnachtlich. Diese Vertrautheit der weihnachtlichen Wohnung hat auch für mich etwas sehr herzerwärmendes. Wenn man sich weihnachtlich einstimmen will, dann muss auch die Wohnung danach aussehen. Ich könnte mir gar nicht vorstellen in eine ganz normale, nicht geschmückte Wohnung, Weihnachtsstimmung reinzubringen.

 

Gehört für Sie zu Weihnachten Schnee?

 

Zuckowski: Ich habe das zwar gern, aber eigentlich hat das mit Weihnachten nicht viel zu tun. Deshalb kann ich mich davon sehr gut lösen. Denn wenn man sich überlegt wie das in anderen Ländern ist - in Guatemala beispielsweise - ein sehr christliches Land, da ist immer Frühling. Die haben noch nie Schnee gesehen und feiern trotzdem Weihnachten. In der Hinsicht ist bei uns die Romantik an Weihnachten auch ein bisschen überzogen. Ich kann das verstehen, aber es ist ein wenig klein gedacht. Das Fest hat doch Dimensionen, die mit dem Wetter wirklich nichts zu tun haben.

 

Was halten Sie denn von der meist sehr kitschigen Weihnachtsdekoration der Amerikaner?

 

Zuckowski: Das ist aus meiner Sicht nicht unbedingt schön. Diese LED-Lichterwelt nimmt sehr viel von der weihnachtlichen Romantik weg. Nicht weil es so viele sind, sondern, weil die Farben oft hart sind. Das geht oft ins Blaue und Pinkfarbene. Für mich ist Weihnachten in unserer Region aber eher Grün, Rot und Gelb. Bei uns Zuhause gibt es auch noch immer Wachskerzen.

 

Wird Weihnachten heutzutage zu sehr kommerzialisiert?

 

Zuckowski: Ich habe vor zehn Jahren das Lied "Insel der Stille" geschrieben, da geht es genau um dieses Thema. Darin heißt es "Weniger Geschenkpapier und goldverschnürtes Glück, weniger Berieselung mit Glöckchen und Musik" und was haben wir dann: Mehr Weihnachten! Ich hinterfrage diese übertriebene Kommerzialisierung und teilweise auch die Dekoration. Aber das hat sich ja über die Jahre entwickelt. Man kann nicht sagen, plötzlich ist alles kommerziell geworden. Aus den Großstädten kriegt man das auch nicht mehr raus. Denn der Handel braucht Weihnachten. Und wenn wir ganz ehrlich sind: Der Tonträger-Handel auch.

 

Zu Weihnachten gehören doch aber auch Geschenke...

 

Zuckowski: Jeder muss da seinen Weg finden. Wir versuchen beispielsweise, dass wir uns nicht jedes Jahr mit den Geschenken übertrumpfen. Und auch nicht irgendwie einen rein finanziellen Wert festlegen, so dass jedes Kind für so und so viel Geld etwas bekommen muss. Das Geschenk selber muss Freude machen und auch schon mit Freude ausgesucht worden sein. Das muss man Kindern und Jugendlichen vorleben. Ich beneide junge Eltern von heute nicht, denn früher war das alles nicht so hart durch die Werbung vorgeprägt. Heute herrscht da teilweise ein enormer Druck. Deshalb halte ich die weihnachtliche Werbung am ehesten für problematisch.

 

Wie steht es eigentlich um Ihren Glauben?

 

Zuckowski: Das werde ich in diesen Tagen oft gefragt. Ich bin nicht nur ein Weihnachtssucher, ich bin auch ein Glaubenssucher. Ich weiß ganz genau, dass das Universum kein Menschenwerk ist. Ich glaube, das weiß jeder. Aber ob ein Gott dahintersteht oder etwas Göttliches, dem wir auf die Spur kommen können, das ruft mich schon immer wieder auf. Weihnachten ist dieses Zusammenrücken. Ein Kind ist geboren, Jesus, Gottes Sohn. Ein Kind ist plötzlich so wichtig, dass alle Welt es feiert. Vielleicht ist auch das Besondere, was mich daran so fasziniert.

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