Robert Trevino dirigiert im Herkulessaal

Robert Trevino und das Baskische Nationalorchester im Herkulessaal
| Michael Bastian Weiß
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Der Dirigent Robert Trevino.
Veranstalter/Agentur Der Dirigent Robert Trevino.

Chaos kann bekanntlich kreativ sein. Im Bläserwerk des Baskischen Nationalorchesters etwa ertönt manches charakterstarkes Solo, etwa der Klarinetten oder der Trompeten. Problematisch wird es erst, wenn Dinge in der ungeordneten Balance verloren gehen, hier zum Beispiel oft die Flöten und die Fagotte. Auf Dauer erschöpft sich das Verständnis, das der Hörer für die an sich sympathische Unaufgeräumtheit aufbringt, wenn sich die Streicher im Herkulessaal diffus, in verwaschenen Linien, präsentieren.

Das Baskische Nationalorchester ist noch jung, es wurde 1982 gegründet. Doch solche Kinderkrankheiten sollten mittlerweile überwunden sein. Zwei Jahre hätte der aktuelle Chefdirigent Robert Trevino mittlerweile Zeit gehabt, solche Mängel zu beheben. Es wäre nicht zu viel verlangt, etwa in Registerproben sicherzustellen, dass in den Violinen nicht einzelne Spieler hervorstechen.

Lässig bis nachlässig

Zudem irritiert, wie nachlässig Trevino dirigiert. Der Amerikaner, der von älteren Kollegen wie David Zinman und James Levine gefördert wurde, gibt keinen klaren Takt vor, er leitet die Basken mit großzügigen Bewegungen, wenn er sich doch auch einmal darum kümmern müsste, eine Phrase in die Hand zu nehmen, um sie präzise zu Ende zu führen. In den „Enigma“-Variationen von Edward Elgar gibt es schlicht zu viel Wildwuchs.

Auch Mojca Erdmann hat es nicht leicht. Dazu kommt in den drei ausgewählten Heine-Liedern von Pablo Sorozábal (1897 – 1988) die baskische Übersetzung: Aus „Ich hab‘ im Traum geweinet“ wird „Ai! Amesetan negoalrik negar urgari, egin dot“. Sorozábal wurde vor allem mit Zarzuelas bekannt, der operettenhafte Gestus wirkt bei Heine etwas deplatziert.

Da ist es bewunderungswürdig, wie souverän Frau Erdmann, die noch dazu erkältet ist, ihren weichen Sopran über dem Orchester leuchten lassen kann. Die kindliche Naivität im Schlussgesang der Symphonie Nr. 4 G-Dur von Gustav Mahler trifft sie genau, die tiefen Töne klingen in seltener Schönheit aus.

Bei Mahler kann man sich auch mit der, freundlich gesagt, unorthodoxen Spontaneität der Basken anfreunden. Viele Details kommen besser heraus, wenn die orchestrale Maschinerie nicht so gut geölt ist. Auf Dauer aber wird sich Trevino einem gewissen Feinschliff nicht verweigern können.

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