Rick Astley: "Ich wollte kein Vater sein, der nie zu Hause ist"

Mit 21 wurde Rick Astley durch "Never Gonna Give You Up" weltberühmt, mit 27 zog er sich aus dem Musikgeschäft zurück. Heute steht der Popstar wieder regelmäßig auf der Bühne. Im Interview spricht er über frühen Ruhm, den Preis des Erfolgs und seine bewusste Pause.
von  (des/spot)
Rick Astley ist seit Jahrzehnten im Musikgeschäft aktiv.
Rick Astley ist seit Jahrzehnten im Musikgeschäft aktiv. © IMAGO/Gonzales Photo

Der britische Sänger Rick Astley (60) wurde 1987 mit "Never Gonna Give You Up" international bekannt - damals war er gerade einmal 21 Jahre alt. Der Song erreichte in mehr als 25 Ländern Platz eins der Charts, darunter in Deutschland, Großbritannien und den USA. Weitere Erfolge feierte er unter anderem mit "Together Forever" und "She Wants to Dance with Me".

Auch Jahrzehnte später steht der Musiker noch regelmäßig auf der Bühne. In diesem Sommer kommt Astley auch nach Deutschland. Am 7. Juli tritt er in der Tollwood Musik-Arena in München auf, am 4. August folgt ein Open-Air-Konzert am Kölner Tanzbrunnen im Rahmen seiner "Summer Shows 2026". Das Publikum kann sich auf eine Mischung aus großen Hits und neueren Songs freuen.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news spricht Astley über seinen frühen Durchbruch, den Rummel um "Never Gonna Give You Up" und seinen vorübergehenden Rückzug aus dem Musikgeschäft im Alter von 27 Jahren.

Sie treten in diesem Sommer in München und Köln unter freiem Himmel auf. Welche besondere Atmosphäre entsteht bei Open-Air-Konzerten?

Rick Astley: Das hängt stark von den Umständen ab. Wenn die Sonne scheint und die Menschen draußen sind, entsteht automatisch eine lockere, tanzfreudigere Stimmung. Das habe ich zuletzt bei unseren Open-Air-Konzerten in Skandinavien erlebt. Für mich waren es die ersten Shows dieser Art in diesem Jahr. Diese Energie überträgt sich direkt auf die Bühne. Open-Air-Konzerte haben also eine ganz eigene Atmosphäre. Sie fühlen sich deutlich anders an als Shows in Arenen - oft entspannter und freier.

Ihr erster Hit war zugleich der größte Erfolg Ihrer Karriere. Wie blicken Sie heute auf Ihren frühen Durchbruch zurück?

Astley: Rückblickend würde ich nicht viel ändern - ich bin sehr zufrieden mit meinem Weg. Wenn überhaupt, hätte es vielleicht geholfen, nicht direkt mit einer Nummer eins zu starten. Mein erster Hit war gleichzeitig der größte meiner Karriere und von da an ging es im Grunde nur noch bergab. Vielleicht hätte ich die Entwicklung bewusster erlebt, wenn sie schrittweise verlaufen wäre. Stattdessen fühlte es sich an, als wäre ich auf eine Rakete gesetzt worden, die jahrelang nicht anhielt. Später habe ich mich bewusst aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Mit Ende zwanzig habe ich eine längere Pause eingelegt und mich für ein ruhigeres, familiäres Leben entschieden. Diese Zeit hat mir mental sehr gut getan und meinen Blick auf vieles verändert. Heute bin ich wieder aktiv, trete auf und veröffentliche neue Musik. Ich glaube, ich schätze das alles mehr, gerade weil ich beide Seiten kenne: den großen Ruhm und ein Leben außerhalb der Öffentlichkeit. Inzwischen bewege ich mich irgendwo dazwischen und genau das fühlt sich richtig an.

Als Sie sich mit 27 Jahren aus dem Musikgeschäft zurückzogen: War das eher ein Schritt weg vom Druck des Ruhms - oder hin zu einem ruhigeren Familienleben?

Astley: Ich würde sagen es war eine Mischung. Vor allem musste ich mein Leben verändern, weil ich nicht wirklich glücklich war. Erfolg hat immer seinen Preis - man muss viel investieren und gleichzeitig auf anderes verzichten. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich mit diesem Verzicht nicht mehr leben wollte. Das hing auch damit zusammen, dass ich Vater geworden bin. Ich habe mich gefragt, ob sich ein normales Familienleben mit einem Leben als Popstar vereinbaren lässt. Mir wurde klar: Auf diesem Niveau verlangt der Beruf alles. Es bleibt kaum Raum für anderes. Und ich wollte kein Vater sein, der nie zu Hause ist. Zugleich wusste ich, wie schnell Karrieren im Popgeschäft verlaufen. Viele Künstler haben nur wenige Jahre auf dem Höhepunkt. Deshalb wollte ich selbst entscheiden, wann Schluss ist und nicht darauf warten, dass andere diese Entscheidung für mich treffen. Rückblickend war diese Pause die richtige Entscheidung. Als ich später wieder zur Musik zurückgefunden habe, geschah das aus eigenem Antrieb und mit neuer Freude.

Was fiel Ihnen schwerer: der Rückzug mit 27 oder das spätere Comeback?

Astley: Das Comeback war schwieriger. Aufzuhören ist vergleichsweise leicht - emotional herausfordernd wird es erst danach. Über Jahre hinweg definiert einen der eigene Beruf. Fällt das weg, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wer bin ich eigentlich noch? Gleichzeitig war es ein Privileg, mich bewusst zurückziehen zu können. Ich war finanziell abgesichert, konnte ein Familienleben führen und Abstand gewinnen. Dieser Übergang - vom Popstar zum Vater - war zwar ungewohnt, aber auch wertvoll. Heute blicke ich ohne Reue auf diese Zeit zurück. Im Gegenteil: Ich empfinde vor allem Dankbarkeit dafür, diesen Weg gegangen zu sein und beide Seiten kennengelernt zu haben.

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