Reinhard Mey mit neuem Album: Das macht "Schatzhauser" so besonders

Reinhard Mey (83) bringt mit "Schatzhauser" am heutigen Freitag sein 30. Studioalbum heraus. Damit weicht er von einer Routine ab, die vier Jahrzehnte gehalten hat: Bislang lagen Meys Veröffentlichungen stets im Mai.
Neu ist auch die Machart. Nach Angaben von Universal Music hat der Liedermacher das Album erstmals komplett allein im Studio eingespielt. Auf seinem Debüt von 1967 waren noch weitere Musiker beteiligt, in den Jahrzehnten danach arbeitete er mit Orchestern, probierte modernere Klänge aus und ergänzte seine Stücke um zusätzliche Instrumente. Auf der Bühne blieb es fast immer bei Stimme und Gitarre, in rund 2.000 Konzerten.
Geboren um 0.15 Uhr an einem Montag
Den Titel und die Veröffentlichung an einem Freitag erklärt der "Über den Wolken"-Interpret mit einer Kindheitslektüre. Der Schatzhauser stammt aus Wilhelm Hauffs Märchen "Das kalte Herz" und erfüllt der Überlieferung nach nur Sonntagskindern einen Wunsch. Mey rechnet sich knapp dazu: "Ich bin an einem Montag geboren, um 0 Uhr 15, es heißt, das lässt der Schatzhauser nochmal als Sonntag durchgehen - ich fang nochmal von vorne an", betonte er auf seiner Webseite.
Denn ans Aufhören denkt er nach eigenen Worten noch lange nicht. Zu seinem 80. Geburtstag habe ihm jemand das Lied "Hör nicht auf" gesungen. "Ich war überrascht, das Lied hat mir gefallen, aber ich dachte gar nicht ans Aufhören."
Von Villon bis Brassens
Stattdessen blickt er auf die Anfänge zurück. Nach seinen Kindheitslektüren habe er Geschichten schreiben wollen, nach der Entdeckung von Erich Kästner, François Villon und Georg von der Vring dann Gedichte. "Und als ich Georges Brassens, Charles Trénet und Georg Kreisler hörte, wollte ich wie sie meine Geschichten und Gedichte singen."
Sein Fazit: "Sie alle haben damals ein Feuer in mir angezündet, das mich bis heute wärmt, ein Geschenk, das ich mit Leib und Seele festhalte, ich hör nicht auf, nein, ich wünschte, ich könnte nochmal von vorn anfangen." Thematisch soll die Platte den Ankündigungen zufolge weit ausgreifen, vom Sterben bis zur Liebe, und trotz melancholischer Passagen zuversichtlich enden.
Später Charterfolg durch Haftbefehl
Das Album folgt auf Reinhard Meys historischen Charterfolg. Im November 2025 landete er den größten Charterfolg seiner Laufbahn, ausgelöst von einem Rapper: In der Netflix-Doku "Babo" über Aufstieg und Absturz von Haftbefehl, bürgerlich Aykut Anhan (40), spielt dieser auf seinem Handy "In meinem Garten" ab und singt mit. Sein Kommentar: "Brutaler Song".
Der Titel stammt von Meys Album "Aus meinem Tagebuch" aus dem Jahr 1970. Nach der Ausstrahlung stieg er auf Platz 15 der deutschen Charts ein, 55 Jahre nach seiner Veröffentlichung. Kein anderer deutschsprachiger Song brauchte laut GfK jemals so lange bis zum ersten Chart-Eintrag.
Mey bedankte sich damals auf seiner Webseite bei dem Rapper. "Danke, Aykut", schrieb er, "für deine Zuneigung und all das, was gerade daraus in unserem Garten erblüht." Zuvor war der Liedermacher skeptisch gewesen, als die Anfrage zur Nutzung seines Lieds kam. Freigegeben habe er den Song erst, nachdem er die Doku selbst gesehen hatte.