Raphaela Gromes spielt Richard Strauss

Die Cellistin Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem mit der Urfassung der Sonate von Richard Strauss
| Michael Bastian Weiß
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Die Cellistin Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem im Wetterstein.
Sony 2 Die Cellistin Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem im Wetterstein.
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Sony 2 Die Cellistin Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem im Wetterstein.

Die Cellistin Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem mit der Urfassung der Sonate von Richard Strauss

Mit diesem Album ist der jungen Cellistin aus München ein echter Coup gelungen. Zum ersten Mal überhaupt nämlich legt Raphaela Gromes eine Aufnahme eines bislang unbekannten Werks von Richard Strauss vor – wohlgemerkt eines der meisteingespielten Komponisten überhaupt. Bei der Urfassung der Violoncellosonate F-Dur op. 6, die hier wiederentdeckt wird, handelt es sich nämlich nicht nur um einen ersten Entwurf, der mehr oder weniger verändert in der bekannten Letztversion enthalten ist, sondern um ein größtenteils völlig eigenständiges Stück.

Der gerade einmal 17-jährige Strauss hatte sich mit dem 1881 geschriebenen Werk an einem Kompositionswettbewerb beteiligt, übrigens erfolglos. Kurz darauf passierte etwas, was bei Strauss höchst selten vorkam: Er komponierte das Stück bis auf den Kopfsatz völlig neu.

Der liedhafte Mittelsatz in C-Dur, den die Musikwissenschaftler Roswitha und Reinhold Schlötterer in der ersten Studie zu den Violoncellosonaten treffend als „liebenswürdig“ bezeichneten, wurde durch ein ernstes Andante in d-moll ersetzt, das virtuos-ambitionierte Finale wich einem deutlich frecheren, in dem in mancher Wendung schon „Till Eulenspiegel“ hervorzulugen scheint. Den Kopfsatz straffte Strauss und glättete die im Original noch bisweilen leicht holzschnittartige Begleitung.

Vitaler Schwung

Erst vor wenigen Monaten wurde die bislang ungedruckte Erstfassung erstmals von der in München erarbeiteten Strauss-Gesamtausgabe publiziert. Raphaela Gromes und der Pianist Julian Riem stellen auf dieser CD in Zusammenarbeit mit den Editoren nun als Premiere beide Fassungen vor. Damit ist es jedoch nicht genug. Die beiden gebürtigen Münchner spielen beide Werke mit einem so hinreißenden, echt straussischen Schwung, so telepathisch miteinander kommunizierend, nicht zuletzt mit einer solchen Sensibilität und schieren Schönheit des Tones, dass hier Referenzaufnahmen vorliegen.

Unabhängig von der interessanten Frage der unbekannten Fassung ist hier das künstlerische Ereignis, wie sich Raphaela Gromes und Julian Riem mit jedem der Werke identifizieren und beiden ihr je eigenes Gesicht verleihen: ein noch eher unbekümmertes in der Erstfassung, ein schon selbstsicheres und leicht aufsässiges in der Zweitfassung. Ein lange verschollenes Werk eines bedeutenden Komponisten fast 140 Jahre nach seiner Entstehung quasi ein zweites Mal uraufzuführen: Das soll Raphaela Gromes und Julian Riem erst einmal einer nachmachen!

Richard Strauss: Violoncello- sonate F-Dur op. 6 (in den zwei verschiedene Fassungen von 1881/1883); Arrangements einzelner Lieder und einer Walzersuite aus dem „Rosen- kavalier“ für Violoncello und Klavier; Raphaela Gromes, Violoncello; Julian Riem, Klavier, CD bei Sony Classical

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