Ohne die letzten zwei Prozent Rest-Enthusiasmus: Simon Rattle dirigiert Mahlers Zweite
Die Aufführung im vergangenen März war ein Höhepunkt der vergangenen Saison des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Nun hat Simon Rattle in der Isarphilharmonie Gustav Mahlers Symphonie Nr. 2 („Auferstehung“) vor Gastspielen in Korea und Japan noch einmal in München dirigiert.
Bei einer solchen Wiederholung stellt sich immer die bange Frage: Stellt sich die gleiche Intensität noch einmal ein? Was natürlich auch ein wenig an der Bereitschaft des Hörers liegt, sich darauf frisch einzulassen. Und eine Rolle dabei spielt auch die nicht restlos unberechtigte Kritik, Rattles Mahler sei zuletzt ein wenig zu verbindlich, nett und harmlos geworden.
In dem Punkt kann Entwarnung gegeben werden. Das stellen gleich das Tremolo und die scharfen Gesten tiefer Streicher klar, mit denen diese Symphonie beginnt. Rattle lässt das schroff, sehr körperlich und mit einer deutlichen Geräusch-Beimischung spielen. Danach gibt es nur selten Momente des Verweilens: Die Musik drängt stets vorwärts, auf das Finale zu.
Kraftvoll, aber nicht lärmend
Rattle lässt das BR-Symphonieorchester kraftvoll spielen. Aber die dynamischen Höhepunkte werden sehr bewusst gesetzt. Ohrenbetäubender Krach beschränkt sich auf die beiden von der Rührtrommel grundierten Riesen-Crescendi im fünften Satz, die Alban Berg auffallend ähnlich bei Wozzecks Tod zitiert. Aber da ist Weltuntergangslärm absolut angebracht.

Der Chefdirigent steigert die Musik sehr souverän. Er zeichnet die Emotionen nach, ohne sie verdoppelnd als Interpret mitzuschwitzen. Und ja, es gibt hin und wieder Momente wie den krachenden Zusammenbruch am Ende des ersten Satzes, der noch etwas mehr Ausdruck vertragen könnte. Und das Andante bräuchte mehr Gelassenheit. Aber live ist halt auch live, da glückt nicht jeder Moment.
Ein Hauch von Generalprobe
Die kurzfristig eingesprungene, aber bereits von den März-Terminen bekannte Beth Taylor sang die Alt-Soli mit ihrer dunklen Stimme sehr ausdrucksstark. Lucy Crowe (Sopran) blieb eine Spur neutral. Die letzten drei Minuten hatten einen Hauch von Generalprobe: Da fehlten vielleicht zwei Prozent Enthusiasmus, dem Orchesternachspiel womöglich sogar drei Prozent. Die können alle Beteiligten dann in Asien nachholen.

Und wer sich womöglich gewundert hat, wieso sich beim heftigen Schlussbeifall statt des Chorleiters eine Dame zeigte: Auf diese Weise wurde Susanne Vongries, die Managerin des BR-Chors, nach vielen Jahren hoch engagierter, aber für das Publikum unsichtbarer Arbeit verabschiedet.
