Nina Chuba füllt die Olympiahalle dreimal – Pop-Sensation begeistert München mit Power, Nähe und ihrem ganz eigenen Zeitgeist
Wer ist wieder da? Die zu Beginn des Konzerts auf LEDs projizierte rhetorische Frage scheint berechtigt. Denn Nina Chuba hatte doch erst im Herbst letzten Jahres die Olympiahalle besucht. Warum also wieder die Reise nach München? Ganz ohne neue Songs?
Nun, wer so kurz nach seinem letzten Auftritt die Olympiahalle noch einmal an drei Folgetagen ausverkaufen kann, scheint irgendetwas richtigzumachen. Und ja, diese doch erst 27-jährige Künstlerin, die im Jahr 2022 noch im kleinen Milla Club performte, tritt jetzt deutlich erwachsener und selbstbewusster auf.
Der Abend. Ninas Abend. Er ist jetzt in sich stimmiger, abwechslungsreicher, auch spektakulärer durchgetaktet. 90 Minuten Pop-Filmlänge, 15 Minuten Nachspielzeit. Feste Setlist. Keine Minute zu lang oder zu kurz. Und dennoch wirkt dieser auf Social Media und auch im TV dauerpräsente Superstar, der es in Sachen Show, Style (diesmal gekleidet ganz in schwarz-weiß) und Präsenz längst mit den Größen aus Übersee aufnehmen kann, niemals abgehoben oder abgebrüht. Chubas Geheimrezept ist ihre Nahbarkeit - und Songs mit hohem Identifikations-Potential für die Generationen Z und Alpha, irgendwo zwischen Selbstbefragung ("Unsicher"), Herzschmerz ("Fata Morgana") und Dating-Frustration ("Fahr zur Hölle").
Der Sound sitzt perfekt
Bereits der Vorlauf zum Konzert mit Kiss-Cam-Einlagen und inszenierten Auflockerungsübungen ist perfekt auf das junge, vorwiegend weibliche Publikum abgestimmt. Nur technisch gibt es noch Probleme, als die tapfere Vorband Kayla Shyx sogar mehrere Songs abbrechen muss. Bei Nina Chuba aber sitzt der Sound-Mix bereits nach dem bombastischen Intro zu "NINA". Die wuchtig aufgedrehten Bässe führen aber gerade bei den Jüngsten dazu, dass gleich die Ohrenschützer aufgesetzt werden.

Und Nina Chuba? Die dreht vergnügt am Stimmungsbarometer und feuert bereits zu Beginn ihre Hits "Mangos mit Chili" und "Wildberry Lillet" ab. Lässige Partytitel mit Reggaeton-Anleihen, in denen auch die dreiköpfige Bläserfraktion ihr Können zeigen darf. Durchweg weiblich besetzt ist auch die dreiköpfige Tanz-Combo, die mit Chuba auf dem Laufsteg ihre einstudierten Choreografien kameragerecht präsentiert.

Nur einmal wird die makellose Pop-Maschinerie in ihrem Ablauf gestört. Das Licht. Es leuchtet nicht. Ausgerechnet, als Chuba am Klavier mit "Nicht allein" in den Balladenteil überwechselt. Die Pause nutzt Nina Katrin Kaiser, so ihr ursprünglicher Name, um über die dicken, ja gespenstischen Karpfen zu plaudern, die sie am Nachmittag im Olympiasee entdeckt hätte. Kaum im Anekdoten-Teil abgebogen, funktioniert der Spot-Scheinwerfer auch wieder, obwohl wahrscheinlich auch das Handy-Lichtermeer gereicht hätte, dass die Fans beim intimen "ILMILMN" erzeugen.
Sinn für theatrale Effekte
Für einen weiteren Aha-Effekt sorgt die Hebebühne, die Chuba ganz sanft ein paar Meter Richtung Hallendecke emporschweben lässt. Der Griff in die Show-Trickkiste wird bei der ehemaligen "Pfefferkörner"-Kinderdarstellerin aber nie zum Selbstzweck, zur Hauptattraktion. Der Fokus, er bleibt wie in den unzähligen LED-Screen-Großaufnahmen stets auf der Hauptdarstellerin des Konzert-Blockbusters. Selbst die Konfettikanonen werden nur punktuell bedient. Auffällig ist auch Chubas Sinn für theatrale Effekte. Ob überlebensgroße Leidensposen auf dem Bühnen-"Glatteis" oder die wilde Ekstase bei der feurigen Emanzipations-Hymne "Rage Girl": Die Wahlberlinerin legt problemlos den Gefühlshebel innerhalb von Sekunden um, ohne dabei unglaubwürdig zu werden.
Diese, so wandelbare und gekonnt mit Autotune-Effekten arbeitende Sprechgesangs-Sängerin, kann ihren Fans, den "kleinen süßen Schnuckibärchen", in der Zugabe dann auch mal eine derbe Techno-Rap-Nummer der Marke Ikkimel ("Ich hass dich") unterjubeln, wenn sie ihnen bei "So lange her" dann wieder verspricht, dass man jetzt auch "gemütlich nach Hause gehen kann."
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