Night Of The Proms: Und die Sonne scheint

Die „Night of the Proms“ landet natürlich auch im 20. Jahr in der Olympiahalle. Und toll: Selten haben Pop und Klassik so schön miteinander gerockt und gekuschelt – über drei Stunden lang.
| Bernhard Galler
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Morten Harket und Amy Macdonald in der Olympiahalle.
Sigi Müller Morten Harket und Amy Macdonald in der Olympiahalle.

 

München - Die Vorfreude war groß bei Namen wie Mark King (Level 42), Morten Harket (A-ha), der Songwriterin Amy Macdonald, den Popsong-Verrock’n’rollern The Baseballs und der japanischen Jazzpianistin Hiromi. Selbst die Lichtchoreographie schien gleich ab Beginn beschwingt mitzutänzeln bei der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß Sohn und dem Militärmarsch Nr. 1 von Franz Schubert. Mit ausnehmend gutem Sound in der akustisch eher schwierigen Olympiahalle behielten The Baseballs die Uptempo-Gangart bei und drehten Robbie Williams’ „Angel“ und Lady Gagas „Born this way“ durch die Rockabillymühle. Das 75-köpfige Sinfonieorchester Il Novecento setzte die dynamischen Vorgaben seines Vorstehers Robert Groslot souverän um. Groslot weiß, wie es zu klingen hat, wenn Pop auf Klassik trifft. Genial, wie Versatzstücke der „Bohemian Rhapsody“ mit Einsprengseln von John Miles’ „Music“ versehen werden.

Miles’ Hymne, im Original schnell als pathetisch-seichter Kitsch abgehakt, wird kurz vor Schluss druckvoll interpretiert und zudem sympathisch verkürzt – nur eine Strophe, bevor es in den tanzbeinverknotenden Mittelteil im Siebenviertel-Takt geht. Highlight des Abends ist dann die 34-jährige Hiromi aus Japan. Wie sie das Thema von George Gershwins „Rhapsody in blue“ verschmitzt lächelnd auseinandernimmt, fein ziseliert und den rasendschnell perlenden Läufen ein paar Takte später gegen den Strich gebürstete Blockakkorde entgegenwuchtet, das ist pure Spiellaune.

Vor der halbstündigen (!) Pause überzeugte Amy Macdonald mit ihrem Hit „This is the life“ und einer lebhaften, aber fragilen Version von „Dancing in the dark“. Im Vergleich kommt einem dagegen das Dampfhammer-Original von Bruce Springsteen geradezu plump vor.

Mit der Ouvertüre zu Rossinis „Die diebische Elster“ ging es in die zweite Hälfte. Danach bekam noch Mark King (Level 42), der einstmals aufgrund seiner fulminanten Slaptechnik auf dem E-Bass als „schnellster Daumen der Welt“ gepriesene Brite, seinen Solospot für „Lessons in love“, „Running in the family“ und „Bitter moon“. Hiromi durfte swingend noch einmal ausgiebig über die Tasten fliegen, bevor ein stimmlich ausgeschlafener, aber leider etwas uninspiriert wirkender Morten Harket (A-ha) mit ein paar neueren Nummern und schließlich mit „The sun always shines on TV“ das Grande Finale einläutete.

Nochmal alle rauf auf die Bühne – mit „Hey Jude“ und angeschlossenem Endlos-Refrain ging diese „Night of the Proms“ nach gut drei Stunden Netto-Spielzeit zu Ende. Jetzt kann Weihnachten kommen!

 

 

 

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