Neues ESC-Voting? Fans sollen künftig drei Favoriten wählen

Die EBU prüft die größte Reform des ESC-Publikumsvotings seit Jahren: Abgestimmt werden soll nur noch online, dafür müssten Zuschauer drei Favoriten benennen. Alle Stimmen für ein einziges Land zu bündeln wäre damit passé.
(mia/spot) |
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Dara aus Bulgarien gewann den ESC 2026.
Dara aus Bulgarien gewann den ESC 2026. © imago/TT / Stefan Jerrevang/TT

Beim Eurovision Song Contest steht das Publikumsvoting vor einem grundlegenden Umbau. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat den teilnehmenden Sendern in einem Brief vorgeschlagen, die Abstimmung vollständig ins Internet zu verlegen und die Zuschauer zu verpflichten, mehrere Beiträge zu wählen, wie die schwedische Zeitung "Aftonbladet" zuerst berichtete.

Bisher darf jeder bis zu zehnmal abstimmen, per Telefon, SMS und online, und wer möchte, bündelt alle Stimmen auf ein einziges Land. Genau das soll mit der Änderung verhindert werden. Stattdessen müssten Fans ihre drei Favoriten benennen und könnten nur noch online abstimmen.

Was die EBU vorschlägt

"Unsere Untersuchungen weisen auf zwei Änderungen hin: das Publikumsvoting vollständig ins Netz zu verlegen und die Menschen zu verpflichten, für mehr als einen Beitrag zu stimmen, zum Beispiel für ihre drei Favoriten", heißt es in dem Brief, den Jean Philip De Tender, Vize-Generaldirektor für Strategie und Medien, und Reference-Group-Chefin Ana Maria Bordas unterzeichnet haben. Ziel der Reform ist es, mobilisierte Blockvotings zu verhindern, "ohne Fairness oder Vertrauen zu beeinträchtigen".

Dass alles ins Netz wandern soll, hat einen praktischen Grund: Per SMS oder Anruf lassen sich mehrere Favoriten kaum erfassen. Details sollen in den kommenden Monaten folgen.

Unter Beobachtung steht das Voting, seit die israelische Regierung 2025 dazu aufrief, mehrfach für die eigene Kandidatin zu stimmen. Yuval Raphael landete mit "New Day Will Rise" bei den Jurys nur auf Rang 15, holte im Publikumsvoting aber mit 297 Punkten das beste Ergebnis aller Teilnehmer und wurde am Ende Gesamtzweite. Mehrere Sender fragten anschließend nach, wie das zustande kam, und verwiesen auf offizielle Regierungsaccounts, darunter jenen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: Sie hatten dazu aufgerufen, 20-mal für Raphael abzustimmen. Mehr war damals nicht erlaubt.

Höchstzahl wurde bereits gesenkt

Die EBU senkte die Höchstzahl daraufhin für 2026 auf zehn Stimmen. Trotzdem musste sie den israelischen Sender Kan vor dem Wettbewerb verwarnen, nachdem dessen Act in Videos aufgefordert hatte, "zehnmal für Israel" zu stimmen. Das entspreche nicht dem "Geist des Wettbewerbs", befand die EBU.

Im Brief räumt die Rundfunkunion ein, dass das System am Ruf des Wettbewerbs kratzt. Das geopolitische Klima treibe Stimmen für bestimmte Künstler an, "aus Gründen, die sehr wenig mit deren Auftritten zu tun haben". Solche Wellen habe es früher schon gegeben, "aber diesmal ist es hartnäckig, und für viele ist es zutiefst beunruhigend".

Den ESC 2027 richtet vom 11. bis 15. Mai die bulgarische Küstenstadt Burgas aus, weil Dara mit ihrer Clubhymne "Bangaranga" in diesem Jahr Jury- und Publikumsvoting gewann.

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