Neues Album XV – Best Of: Faun - zwischen Facebook und Mittelalter

Die Paganfolk-Band Faun aus Gräfelfing veröffentlicht ihr 13. Album "XV – Best Of" und geht auf Tour. Im Interview sprechen die Musiker über die letzten 15 Jahre. 
| Dena Brunner
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So groovt das Mittelalter: Die Band Faun kommt zu einem Konzert in die Münchner Kongresshalle.
Ben Wolf So groovt das Mittelalter: Die Band Faun kommt zu einem Konzert in die Münchner Kongresshalle.

Faun, die sechsköpfige Band aus Gräfelfing macht seit über 15 Jahren vom Mittelalter inspirierte Musik. Pünktlich zur Veröffentlichung ihres Best Of Albums und vor ihrem Konzert am 21. Oktober in der Alten Kongresshalle, hat die AZ mit Fiona Frewert, Laura Fella und Rüdiger Maul gesprochen.

AZ: Frau Fella, Frau Frewert, Herr Maul, nach über 15 Jahren Bandgeschichte haben Sie ein Best-Of-Album herausgebracht. Wie einigt man sich bei sechs Bandmitgliedern, was auf das Album kommt?
RÜDIGER MAUL: Ganz einig wird man sich natürlich nie!
LAURA FELLA: Bei so einem riesigen Repertoire vielen verschiedenen Meinungen ist es natürlich schwierig.
FIONA FREWERT: Am Ende ist es eine Schnittmenge aus unseren persönlichen Wunschlisten kombiniert mit den Songs, die am besten bei unserem Publikum ankommen.

Was würden Sie den Höhepunkt Ihrer Karriere nennen?
FREWERT: Es gibt total viele Highlights. Wir hatten eine konstante Kurve der Bandentwicklung und nicht mit einem Schlag auf einmal alles da. Dementsprechend gibt es natürlich viele kleine Erfolge.

Sie haben das Musik-Genre "Paganfolk" definiert und geprägt: Folklore gemischt mit elektronischer Musik.
FREWERT: Das stimmt, das war unsere Begriffsschöpfung, weil wir in keine Schublade gepasst haben. Man wurde immer gefragt "Was macht ihr für eine Musik?" und als wir unsere Musikrichtung definiert haben, gab es dann auch eine Schublade. Mittlerweile sind da viele Bands drin.

Frau Fella, Sie sind erst letztes Jahr zur Band dazugestoßen. Großer Druck?
FELLA: Absolut! Meine Vorgängerin Katja Moslehner ist schließlich eine unfassbar talentierte Musikerin wie die anderen Bandmitglieder auch, Da hat man natürlich einen dementsprechenden Druck, mit ihnen auf einer Bühne zu stehen. Auch nach einem Jahr finde ich das noch surreal. Es war ein Wahnsinnsschritt für mich.

Sie verkaufen auf der Bühne, in Ihren Videos und durch Ihre Musik den mystischen Mittelalter-Lifestyle. Wird der privat abgeschaltet?
FREWERT: Ich lebe den Lifestyle auf jeden Fall: Ich wohne in einer kleinen Hütte im Wald mit Holzofen und meine Badewanne steht im Garten. Das Wasser mache ich im Kessel über dem Holzfeuer warm.

Das wäre ja mal eine Home-Story.
FREWERT: Das mache ich auf keinen Fall, aber ich denke der Lifestyle wird bei uns allen privat nicht abgeschaltet. Das ist kein Konzept, das nur zum Zeigen nach außen existiert.
FELLA: Das könnte man auch schwer faken. Sonst hätte man auch keine Ahnung von dem Ganzen. Ich mache auch zu bestimmten Wintersonnenwenden kleine Rituale und bin mit Freunden lieber am Lagerfeuer, als mich irgendwo volllaufen zu lassen.

Welche Vorurteile haben Sie im Laufe der Bandgeschichte am meisten gehört?
MAUL: Die Mittelalterszene, in der wir sind, hat ja an sich schon ein großes Vorurteil. Viele denken, wir treten in Ritterrüstungen auf oder lassen uns Runen tätowieren.
FREWERT: Dadurch, dass es viele Bands gibt, die Dudelsäcke und Trommeln kombinieren, vermittelt die Musik oft ein gemeinläufiges Bild von grobschlächtigen Raubbautzen. Das sind wir ja gar nicht. Wir haben romantische Lyrik und feine Instrumente wie Harfen und Blockflöten. Wir entsprechen nicht dem typischen Klischee. Innerhalb der Szene muss man also nicht ankämpfen, aber nach außen hin schon, weil Mittelaltermusik eben gemieden wird und als nicht cool gilt.

2014 sorgten Sie für viel Kritik, als Sie bei Carmen Nebel auftraten.
FREWERT: Den Auftritt bei Carmen Nebel würden wir jederzeit wieder machen, weil das eine Plattform ist, durch die man mal eben vier Millionen Menschen erreicht. Das war die Schwelle zwischen dem Raustreten aus einer Nische ausgerechnet hin in ein Schlagerformat. Da haben wir vor allem von unseren alten Fans eine Ohrfeige gekriegt.

Wie sah diese Ohrfeige genau aus?
FREWERT: Das war ein richtiger Online-Shitstorm über Facebook, wo alle Hüllen gefallen sind. Das Internet kann von seiner Wortwahl her richtig hart sein. Das hat uns schon getroffen, aber war auch teilweise nachzuvollziehen, weil wir vom Album "Von den Elben" mal in eine andere Richtung experimentiert haben und Mainstream-lastiger produziert wurden.

Das Fazit dieser Erfahrung?
FREWERT: Wir haben uns mittlerweile ziemlich gut eingegroovt und wir machen wieder die Musik, die uns gefällt, das Label ist damit zufrieden und die Fans haben sich auch wieder beruhigt. Das war aber tatsächlich eine Phase, in der alles auf der Kippe stand, wo wir vieles einstecken mussten. Schlager ist ein Nimbus, der vor allem bei unserem alten Publikum nicht beliebt ist.
MAUL: Allerdings haben ganz viele Leute, die auf unsere Konzerte gekommen sind, nachdem wir bei Carmen Nebel gespielt hatten, gesagt: "Ich hab euch ZUFÄLLIG bei Carmen Nebel gesehen!" Rein zufällig also...

Viele Musiker beschweren sich, dass sich die Stimmung auf ihren Konzerten seit der Digitalisierung verändert hat, dass Smartphones die Atmosphäre ruinieren. Wie empfinden Sie das?
FELLA: Das finde ich schon nervig.
MAUL: An den Reaktionen im Publikum live finde ich es nicht so störend, es stört eher meine Augen, wenn ich in die Zuschauermenge gucke.
FREWERT: Man hat wirklich das Gefühl, dass Tausende Bildschirme auf einen gerichtet sind. Dennoch finde ich die Stimmung auf unseren Konzerten und die Interaktion toll.

Nach zwölf Alben und dem Fokus auf das Mittelalter-Gefühl – woher holt man sich noch Inspirationsquellen für neue Songs?
FREWERT: Es gibt einen Riesenfundus an Themen, mit denen man sich befassen kann: Wir greifen zum Beispiel viel auf den europaweiten Mythen-Schatz zurück. Wir interessieren uns auch viel für Texte aus Märchen. Und natürlich hat jeder ein Leben und das bietet Anlässe, ein Lied darüber zu schreiben.
FELLA: Bei Faun ist auch die Natur eine riesengroße Quelle der Inspiration, denn diese ist ja immer präsent. Sei es in den Bergen, bei einem Waldspaziergang oder am See: Die Natur weckt immer ein bestimmtes Gefühl.

Wie möchten Sie dieses Gefühl im Rahmen Ihrer "XV Best Of Faun 2018"-Tour im Oktober an Ihre Münchner Fans vermitteln?
FREWERT: Wir möchten nicht nur ein Konzert spielen, sondern ein Erlebnis für alle Sinne bieten. Wir hatten zum Beispiel auf unseren vorherigen Tourneen Tänzer dabei, Jongleure mit Feuer und Licht-Shows, die einem das Gefühl geben, in eine ganze Welt einzutauchen. Das möchten wir bei der Best-Of-Tour in München auch so machen. Außerdem haben wir unsere allererste Sängerin, Elisabeth Pawelke, als Gastmusikerin dabei. Das ist vor allem für unsere alten Fans ein Schmankerl.


"XV – Best Of", erschienen bei Universal Music. Am 21.10. spielen Faun in der Alten Kongresshalle. Tickets ab 40 Euro

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