Murray Perahia - ein Fall für den Artenschutz

Murray Perahia und die Academy of St. Martin in the Fields in der Philharmonie – Teil 2
| Christa Sigg
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Mit 65 Jahren ziemlich weise: Murray Perahia.
Felix Broede Mit 65 Jahren ziemlich weise: Murray Perahia.

 

Mit liebenswürdiger Beharrlichkeit pendelt er auf dem klar abgezirkelten Terrain zwischen Bach und Brahms. Murray Perahia gibt unumwunden zu, dass er die „fortwährenden Dissonanzen“ neuer Musik nicht versteht, und wer will das diesem ernsthaften Sucher übel nehmen? Die Ehrlichkeit, ja die Hingabe, mit der dieser Pianist der Musik begegnet, hat etwas unmittelbar und zutiefst Berührendes.

Man muss deshalb kein Anhänger seiner Haydn-Exegese sein, um die Es-Dur-Sinfonie Nr. 103 aus der aufregenden Londoner Phase in ihrer behaglichen Milde doch irgendwie zu goutieren. Und schließlich steht Perahia vor der famosen Academy of St. Martin in the Fields, die imstande ist, noch in der Harmlosigkeit mit Pointen zu jonglieren. Aber Perahia versteht sich auch nicht als Dirigent, die „Coriolan“-Ouvertüre heizt ohne sein Dazutun höchst dynamisch durch die Philharmonie.

Viel interessanter ist die Tatsache, dass der Beethoven des früher so lyrisch sanften Serkin-Schülers (Klavierkonzerte mit dem Concertgebouw unter Haitink von 1986) – in diesem Fall das c-moll-Konzert – nicht nur mächtig Biss bekommen hat, sondern ein Konstrukt tonaler Finessen auf der Grundlage einer geistvollen, von Humanität durchwirkten Klassizität ausbreitet, die wohl bald unter Artenschutz gehört.

 

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