Münchner Philharmoniker im Gasteig: Unter Gipsköpfen

Die Münchner Philharmoniker geben unter Valery Gergiev Mozart und Schubert zum Besten.
| Robert Braunmüller
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Modellversuch vor maximal 500 Zuschauern: Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker spielen im Gasteig die Symphonie Nr. 4 von Franz Schubert.
Modellversuch vor maximal 500 Zuschauern: Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker spielen im Gasteig die Symphonie Nr. 4 von Franz Schubert. © Hans Engels

Man kann es durchaus als Drohung empfinden, wenn ein Preisträger des Warschauer Chopin-Wettbewerbs Mozart spielen will. Der bei den Münchner Philharmonikern für Juja Wang im Gasteig eingesprungene Seong-Jin Cho erwies sich allerdings als angenehme Überraschung: Seine Temposchwankungen blieben natürlich, es gab keine sentimentalen Drücker und die Romanze des Klavierkonzerts KV 466 spielte der Koreaner geradezu nüchtern.

Mozart als Beitrag zum Beethoven-Jahr

Die Interpretation kam von der Stange: perlende Läufe und glatte Perfektion ersetzten jedes Risiko und persönlichen Zugriff. Valery Gergiev verstand Mozart als Beitrag zum Beethoven-Jahr. Im Vergleich mit den lebendigen Mozart-Symphonien des BR-Symphonieorchesters unter François-Xavier Roth in der Vorwoche störte die Abwesenheit jeder Form von musikalischem Dialog und rhetorischer Gestaltung. Alles wirkte zombiehaft, routiniert und maximal unlebendig.

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Seong-Jin Chos Zugabe, Franz Schuberts "Impromptu Hongrois", vermittelte mit dessen Symphonie Nr. 4 als zweiten Punkt des einstündigen Programms ohne Pause. Auch über die Aufführung dieses irreführenderweise als "Tragische" bezeichneten Werks gibt es, abgesehen von ein paar elegischen Schattierungen im langsamen Satz, leider nicht viel Positives zu berichten. Im ersten Satz klapperten die Übergänge. Die elegante und motorische-spritzige Musik kam schwerfällig, mit topfigem Klang und sehr streicherlastig daher.

Für Chefdirigent Gergiev ist Mozart ein langweiliger Gipskopf

Gergiev hält Schubert wie Mozart für einen langweiligen Gipskopf. Erst im Finale redeten plötzlich Streicher und Bläser miteinander. Als Zugabe folgte noch das Scherzo aus Felix Mendelssohn Bartholdys "Sommernachtstraum" mit zwar schönen, im Zusammenspiel aber wackeligen Holzbläsersoli.

Bis zum Gastspiel in der Elbphilharmonie dürfte das Programm noch nachreifen. Sicher müssen irgendwann Generalproben stattfinden. Aber vor zahlendem Publikum? Leider ist der Chef der Philharmoniker auch kein Experte für die Wiener Klassiker. Mozart, Schubert und Mendelssohn wären sich womöglich rasch einig, wenn sie über das vom Kremlkritiker Alexej Nawalny vorgeschlagene Einreiseverbot für den Dirigenten zu befinden hätten.


Am 16., 17. und 18. Oktober dirigiert Joana Mallwitz Werke von Tschaikowsky und Schubert, am 25. und 26. Oktober leitet David Afkham ein Programm mit Werken von B. A. Zimmermann, Mahler und Beethoven.
Infos und Karten unter www.mphil.de

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