München-Konzert von Jennifer Rostock im Zenith: Die Konzertkritik

Die norddeutsche Band Jennifer Rostock legt nach zehn Jahren eine Pause ein. Doch davor ging es nochmal nach München ins Zenith: laut, schrill, provokant – und manchmal doch ganz saft. Die AZ-Konzertkritik.
| Lisa Marie Albrecht
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Bekannt für ihre gewagten und schrillen Outfits: Jennifer Rostock-Frontfrau Jennifer Weist. (Archivbild)
Herbert P. Oczeret/APA/dpa Bekannt für ihre gewagten und schrillen Outfits: Jennifer Rostock-Frontfrau Jennifer Weist. (Archivbild)

München - Sie tanzt, sie schreit, sie trinkt und sie feiert als gäb's kein Morgen mehr – weil es (vorerst) keins gibt. Die rotzige Jennifer Rostock-Frontfrau Jennifer Weist überzieht ihr Publikum beim Best of-Konzert im Zenith mit einer dicken Schicht aus Provokation, Exzess und ja, auch Nostalgie.

Nach zehn Jahren Tourleben legen die norddeutschen Rocker eine Bandpause ein, deshalb gibt es gleich zu Beginn ein kleines Filmchen mit Szenen aus den letzten Jahren. Dann fällt die Leinwand und mit "Kopf oder Zahl", dem Song der die Band beim Bundesvision Song Contest 2008 nach vorne brachte, beginnt die Zeitreise. Die Hüllen fallen: lässt Weist, zunächst ins Kermit-grüne Flauschecape gehüllt, wenig später passend zu "Du willst mir an die Wäsche" und präsentiert den grün-roten Glitzerbody – eines von insgesamt sechs Bühnenoutfits, alle gewohnt knapp und noch ein bisschen schriller als sonst. Die Wäsche wird dann auch gleich nochmal durchgeschleudert und in einen Remix gepackt, der sehr an ihren legendären Auftritt mit Rapper Sido 2012 erinnert – gehört ja dazu, zur Zeitreise.

"Hits, Hits und nochmal Hits", verspricht Weist und was sie verspricht, das hält ihre Band. Mit Bässen die einen fast von alleine springen lassen - nicht, dass die treuen Fans dazu eine extra Aufforderung bräuchten - lenken Jennifer Rostock ihr Publikum immer genau dorthin, wo sie sie haben wollen. Auf Tanzbares folgt Rockiges, Texte zwischen Banalem wie Liebeskummer bis zu großen Gesellschaftsthemen wie Migration ("Wir sind alle nicht von hier"), Ehe für alle ("Ein Schmerz und eine Kehle") oder Feminismus ("Hengstin"), immer herrlich sprachgewandt und dabei weder peinlich-moralisch noch angestrengt.

Laszive Hüftschwünge und Griffe in den Schritt

Zwischendurch gibt es bei "Irgendwo anders" unplugged und leise eine emotionale Jennifer Weist, die zeigt dass ihr die leisen Töne sogar fast noch besser stehen. Kurz wünscht man sich eine weitere Ballade, ungefähr bis zum nächsten Bass, bis zum nächsten Outfit und bis zum nächsten Schnaps, den Weist in regelmäßigen Abständen runterkippt, passend zur jeweiligen Band-Epoche. Obwohl die Setlist wenig Überraschendes bringt, fordert Weist von ihren 5.000 Zuschauern - das bis dato größte Konzert, wie sie stolz verkündet - permanente Aufmerksamkeit, lässt sich feiern, bedankt sich bei den Fans, die Jennifer Rostock die letzten zehn Jahre begleitet haben.

Keiner wagt es, den Blick von ihr abzuwenden, und wenn doch, schwingt sie die Hüften noch ein bisschen lasziver oder greift sich mal kurz bis etwas länger in den Schritt. Ein bisschen kuscheln will sie auch noch, deshalb geht es bei "Alles cool" auf einem leuchtenden, fahrenden Bett durch die Menge. "Danke, dass ihr unsere Klamottenwechsel und Frisuren die letzten zehn Jahre mitgemacht habt", sagt Weist selbstironisch und die Nostalgie-Welle bricht, als sich die Deutschrocker mit ihrem aktuellen Song "Die guten alten Zeiten", Konfetti und einem Plakat verabschieden: "Danke für zehn Jahre Liebe – Jennifer Rostock bleibt".

Irgendwann in der Zukunft wird es also ein Morgen geben. Solange heißt es: Abwarten und Schnaps trinken.

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