Mit Mariss Jansons im Fegefeuer und im Paradies

Musik von Strawinsky und Brahms mit dem BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons in der Philharmonie
| Robert Braunmüller
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Mariss Jansons und Frank-Peter Zimmermann nach dem Brahms-Konzert.
Mariss Jansons und Frank-Peter Zimmermann nach dem Brahms-Konzert.

Es ist zum Verzweifeln! In Igor Strawinskys Ballettmusik „Petruschka“ erklingt jeder Tamburinschlag mit einer unglaublich subtilen Finesse. Der Brahms der gleichen Musiker ist dagegen ist nur so – naja.

Die wunderbare Oboenmelodie am Beginn des langsamen Satzes im Violinkonzert boten die Damen und Herren des BR-Symphonieorchesters am Donnerstag im Gasteig mit einer wirklich ärgerlichen Wurstigkeit dar.

Wieso wirft ihnen Mariss Jansons da nicht wütend die Partitur ins Gesicht und flieht? „Dolce“ hat der Komponist hingeschrieben und Süße, Zartheit und Herzblut gemeint. Nicht Mezzoforte, eine ledern-deutsche Phrasierung und eine handfeste Gleichgültigkeit.

Unbefriedigend und unentschieden

Dann greift die Geige diese Melodie umspielend auf. Frank-Peter Zimmermann führte vor, wie sie klingen müsste. Aber gleich danach verlor sich der Solist wieder in jener wunderlichen Unentschiedenheit, die seine Deutung des Konzerts so unbefriedigend machte. Zimmermann ließ sich immer wieder von den Wogen des Orchesters mittreiben, ging gelegentlich unter und schwamm hin und wieder auch souverän obenauf. Aber worauf wollte er hinaus? Auf lyrischen oder auf die dramatischen Seiten dieses Konzerts? Da wurde, bei aller geigerischer Solidität, nie wirklich klar.

Auch Jansons wirkte gebremst. Den Anfang des Kopfsatzes zelebrierte er für seine Verhältnisse ungewöhnlich manieriert. Als würde Daniele Gatti die Wiener Philharmoniker leiten. Er ließ sich auf den dezidiert anti-virtuosen, diffus „deutschen“ Ansatz Zimmermanns ein. Auch sein Brahms blieb unscharf – wie leider auch bei den Symphonien.

Dann, nach einem Durchatmen, Strawinsky. Die gleichen Musiker, aber ein Wechsel vom Fegefeuer ins Elysium. Kraftvolles Auftrumpfen, aber kein Lärm. Was für eine Liebe zum Detail! Unglaubliche Bläser. Subtile, genau ausgehörte Soli der Klarinetten am Beginn des zweiten Teils. Seidige Streicher. Ein wunderbares Pianissimo der gestopften Hörner am Ende im Gegensatz zum Solo der gestopften Trompeten. Alles nie als Selbstzweck und Demonstration moderner Orchestertechnik. Sondern als Dienst an Strawinsky. Am Ende der Groteske, in den vier Pizzikati der Streicher sogar ein Hauch von Tragik. Phänomenal! Sensationell!

 

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