Mit Lahav Shani und Julia Fischer im Gasteig

Julia Fischer und die Wiener Symphoniker unter Lahav Shani mit Brahms und Prokofjew in der Philharmonie
| Robert Braunmüller
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Der Dirigent Lahav Shani.
Marco Borggreve Der Dirigent Lahav Shani.

Die Wiener Symphoniker sind noch eine Spur konservativer als ihre berühmteren Kollegen von den Wiener Philharmonikern. Ihre Streicher kultivieren eine gewisse altdeutsche Schärfe. Und wenn sie Johannes Brahms spielen, dann mit Gewicht, massig und mit einer eher sparsam nuancierten Lautstärke.

Beim Gastspiel mit der Geigerin Julia Fischer bildete das Orchester sozusagen den Goldgrund, vor dem die Solistin in der Philharmonie am Gasteig strahlte. Sie hat ihre Interpretation über die Jahre kaum geändert, aber dafür reifen lassen. Ihr Klang ist strahlend und schwebend. Immer wieder taucht sie sinnierend ins Melancholische, um die Düsternis und die musikalische Verlangsamung wieder mit heftiger Dramatik und Bravour zu durchbrechen.

Der Oboist der Wiener Symphoniker spielte seine Kantilene am Anfang des langsamen Satzes weniger grobstofflich als seine Münchner Kollegen. Julia Fischer ließ ihre Geige erst singen und meisterte das Finale als Bravourakt, dem sie ein Stück von Paganini folgen ließ.

Allzu freundliche Verbindlichkeit

Die Fünfte von Sergej Prokofjew ist nicht unbedingt eine Symphonie, die man von einem Orchester hören möchte, das freundliche Verbindlichkeit kultiviert. Lahav Shani, der Erste Gastdirigent der Wiener Symphoniker und künftige Chef des Israel Philharmonic Orchestra, bewies Sinn für rhythmische Zuspitzungen und die scharfkantige Groteske. Kein Zufall, dass es den Marsch aus Prokofjews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ als Nachschlag gab.

Für die Abgründe, die düsteren Ballungen und das Unheimliche dieser Symphonie, die eher verdeckt von ihren Entstehungsjahren um 1945 herum spricht, hatten das Orchester und der Dirigent leider nicht viel übrig. Die von der Tuba grundierten Bässe grummelten zwar wuchtig, aber die grimmige Steigerung am Ende des ersten Satzes tönte mehr laut-effektvoll als gefährlich.

Da fehlte eine Dimension. Aber die Wiener wären keine, wenn sie am Ende mit zwei herzlichen Johann-Strauß-Zugaben nicht versöhnt hätten. Ihr Prokofjew wirkt einstudiert, diese Musik ist dagegen ihre zweite Natur.   

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