Martin Stadtfeld über Bach, Chopin und junge Künstler

Martin Stadtfeld spielt diese Woche Musik von Bach und Chopin im Prinzregententheater und in Polling. Im Mai kehrt er beim Festival „Stars & Rising Stars“ nach München zurück
| Robert Braunmüller
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Ob Martin Stadtfeld diesen riesigen Haufen Holz selbst gehackt hat?
Sony/Yvonne Zemke Ob Martin Stadtfeld diesen riesigen Haufen Holz selbst gehackt hat?

Mit den Goldberg-Variationen wurde er berühmt. Aber Martin Stadtfeld kann nicht nur Bach: In seinem neuen Programm setzt er Etüden von Frédéric Chopin in Beziehung zu den „Kanonischen Variationen über ein Thema Friedrichs II.“ aus dem „Musikalischen Opfer“. Und im Mai stellt er im Technikum Nachwuchskünstler vor.

AZ: Herr Stadtfeld, passen Bach und Chopin wirklich zusammen?
MARTIN STADTFELD: Es ist ein Klischee: der strenge Bach und Chopin, der Romantiker. Dabei ist der späte Bach von seiner Klangsprache her sehr romantisch, etwa in den Kanons aus dem „Musikalischen Opfer“. Die werden selten gespielt, weil alle fürchten, dass das Publikum sie nicht versteht. Deswegen werde ich im Konzert wohl auch ein paar Worte dazu sagen.

Das schadet nie. Das „Musikalische Opfer“ verarbeitet ein Thema, mit dem der Preussen-König Friedrich II. Bachs kontrapunktische Fähigkeiten austesten wollte.
Es wird auch in den Kanons verarbeitet. Ich habe die Stücke so ausgewählt, dass das Thema immer am Ende erscheint und sich aus der Komplexität der Musik herausschält.

Warum gilt diese Musik als so kompliziert?
Ich erkläre es Ihnen an einem Beispiel: Bach schreibt eine Melodie. Die wird kanonisch beantwortet durch die gleiche Melodie, aber auf dem Kopf stehend und im halben Tempo. Dabei schimmert immer das königliche Thema durch. Das ist sehr konstruiert, trotzdem entsteht daraus die schönste und romantischste Musik, die man sich vorstellen kann.

Und worin besteht umgekehrt Chopins Strenge?
Seine Kompositionen wirken auf den Hörer, als seien sie ihm aus der Seele geflossen. Dabei war Chopin ein Tüftler, gerade bei den 24 Etüden, die ich als Einheit sehe.

Was ist daran getüftelt?
Alle Etüden sind gleich aufgebaut, in Sonatenform mit überraschenden Schlusswendungen. Den Einfluss von Bach kann man gleich in der ersten Etüde hören: Da schreibt Bach einen Choral, der aufgebrochen über die Klaviatur wandert. Aber es bleibt trotzdem ein Choral. Das erste Präludium aus dem „Wohltemperierten Klavier“ ist das Vorbild für dieses Stück. Die zweite Etüde bringt mit viel Chromatik die Stabilität der Musik ins Wanken. Auch das hat Bach schon gemacht: im Präludium in a-moll aus dem zweiten Band. Beide Komponisten loten Grenzen aus, überschreiten sie aber nicht.

Warum spielen Sie eigene Improvisationen zwischen den Chopin-Etüden?
Ich wollte Momente des Innehaltens schaffen – für den Spieler und die Zuhörer. Denn manchmal gibt es für mein Gefühl bei Chopin zu viele musikalische Informationen.

Improvisieren Sie auch im Konzert?
Ehrlich gestanden: Nein. Ich habe die Stücke „Improvisationen“ genannt, weil sie in einem längeren Prozess des Herumspielens und Ausprobierens entstanden sind. Die letzten Veränderungen habe ich im Aufnahmestudio vorgenommen. Sobald die Mikrofone an waren, wusste ich, was ich spiele. Im Konzert weiß ich das natürlich auch. Die Noten stehen fest, aber es gibt eine spontane Gestaltungsfreiheit.

Ende Mai spielen Sie beim Festival „Stars & Rising Stars“. Was passiert da genau?
Ich kenne Kari Kahl-Wolfsjäger seit vielen Jahren – sie leitete lange den Kissinger Sommer. Sie fragte mich, ob ich mitmachen wolle. Mir gefiel die Idee, mit jungen Künstlern auf Augenhöhe an ungewöhnlichen Orten aufzutreten.

Wo werden Sie spielen?
Im Technikum im Kunstpark Ost – nah beim künftigen Konzertsaal. Ich spiele mit dem Cellisten Kian Soltani und dem Geiger Marc Bouchov erst Solo-Stücke. Im zweiten Teil führen wir dann zu dritt ein Klaviertrio von Mendelssohn Bartholdy auf.

Martin Stadtfeld spielt Freitag, den 31. März, 19.30 Uhr in Kloster Polling und am 2. April um 11 Uhr im Prinzregententheater Bach und Chopin. Karten unter Telefon 98 29 28 0, Telefon 93 60 93 und bei Münchenticket.
Die CD „Chopin +“ erschien im November bei Sony Classical


Das neue Festival "Stars & Rising Stars"

Das neue Münchner Festival um Jesus Christus Himmelfahrt 2017 probiert ungewöhnliche Konzertorte aus, um ein mit Klassik nicht vertrautes Publikum anzusprechen – bei Eintrittspreisen von 10 Euro für Besucher bis 28 Jahren und 25 Euro für alle übrigen. Außerdem gibt es Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten und nach einigen Konzerten Jam-Sessions. Karten bei Münchenticket online und unter % 54 81 81 81
1. Mai, 17 Uhr: Cecilia Bartoli mit Sara Jo Benoot, Petr Nekoranec, Huang Shan, José Coca,
Großer Konzertsaal der Hochschule für Musik und Theater, Arcisstr. 12.

20. Mai, 19 Uhr: Lisa Batiashvili mit Veriko Tschumburidze, Andrei Ionita, Ana Kipiani, Beka Gochiashvili,
Technikum im Werksviertel Grafinger Str. 6

21. Mai, 19 Uhr: Simone Kermes mit Sungmin Song und dem Trio Metamorphosi,
Festsaal im Hofbräuhaus

22. Mai, 19 Uhr: Mojca Erdmann mit Karol Kozlowski, Niu Niu, Kim Han, Philharmonische Solisten, München
Künstlerhaus, Lenbachplatz

23. Mai, 19 Uhr Martin Stadtfeld mit Kian Soltani, Marc Bouchkov
Technikum im Werksviertel Grafinger Str. 6

24. Mai, 19 Uhr, Jean-Yves Thibaudet, mit Aidan Mikdad, Raphaela Gromes
Künstlerhaus, Lenbachplatz

25. Mai, 19 Uhr: Elisabeth Leonskaja mit Jorge Buajasan, Sergey Dogadin, Raphaela Gromes
Reaktorhalle, Luisenstr. 37a

26. Mai, 19 Uhr: Sabine Meyer, Klarinette, mit Fatma Said, Daniel Heide
Sophiensaal im Bayerischen Landesamt für Steuern,
Sophienstr. 6
27. Mai, 19 Uhr Ana Chumachenko mit ihrer Meisterklasse
Plenum des Bayerischen Landtags, Maximilianeum

Samstag 27. Mai, 19 Uhr: Julian Rachlin mit Robert Lakatos, Maxim Lando,
Technikum im Werksviertel

Sonntag 28. Mai, 19 Uhr: Olga Peretyatko mit Matthias Winckhler, Lukasz Zaleski, Semion Skigin
Freiheizhalle, Rainer-WernerFassbinder-Platz 1

 

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