Marius Müller-Westernhagen über sein Album "Alphatier"

Marius Müller-Westernhagen gibt sich bescheiden und klein. Für sein am 25. April erscheinendes Album „Alphatier“ lädt er zur intimen Pre-Listening-Clubtour in die große Tonhalle
| Sebastian Lauterbach
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Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen im Veranstaltungszentrum «Große Freiheit 36» auf der Reeperbahn.
Christian Charisius Rockmusiker Marius Müller-Westernhagen im Veranstaltungszentrum «Große Freiheit 36» auf der Reeperbahn.

Sind die fetten Jahre vorbei? Als man die großen Hallen und Stadien im Handumdrehen ausverkaufen konnte? Wenn es um den 65-jährigen Düsseldorfer geht natürlich nicht. Nach knapp fünf Jahren wird mit „Alphatier“ Ende des Monats sein bisher emotionalstes Album erscheinen. Im Vorfeld der Veröffentlichung gibt es quer durch Deutschland mehrere Pre-Listening-Konzerte. Der Gedanke dahinter ist einfach: Den Fans soll das Konzept des Albums klar gemacht werden. Das Ganze zählt, nicht nur die einzelnen Singleauskopplungen. Eine schöne Idee in Zeiten, in denen das Gesamtwerk nicht mehr ausreichend geschätzt wird.

„Es ist ein junges, frisches Album“, so Westernhagen. Und das kauft man ihm bei den beiden ersten neuen Songs auch ab. Bei „Hereinspaziert, hereinspaziert“ und „Alphatier" wüten knochentrockene Gitarrenriffs. „Folge mir, ich bin ein Alphatier, wir können nicht verlieren“: Das Publikum taut dabei langsam auf, lässt sich animieren und klatscht begeistert mit.

Und das in München

Dass Marius Müller-Westernhagen bei dieser Tour „keinen Pfennig“ verdient, merkt man ihm nicht an. Er stolziert mit seinem stelzenhaften Gang über die Bühne und wackelt gehörig mit dem Popo. Intensiv sollen diese kleinen Shows an der Grenze des Finanzierbaren werden. „Förderlich, aber auch schwierig zu spielen“ seien sie, mit einer ungewohnten Nähe zum Publikum. Die Direktheit merkt man nach jedem Song. Standardmäßiger Applaus wechselt sich mit großem Getöse ab. So wie bei „Was ich will bist du“. Ein Instant Classic. Klingt nach „Sexy“ und wird mit der bis dahin größten Reaktion bejubelt. Verblüfft konstatiert er: „Und das in München.“ Pfiffe und Buh-Rufe. Doch Münchner verstehen auch Spaß und verzeihen ihrem Idol sofort.

An diesem Song merkt man auch, wie Westernhagen seine Lieder komponiert. Immer auf Nummer sicher, mit diesem Schuss Rock’n’Roll und wenig Experimenten. Besonders neu klingt dabei nichts. Aber muss es das auch? Natürlich nicht. Gediegene Blues-Stücke und Balladen werden souverän an den Mann gebracht und bringen Ruhe in die teils hektischen Rocksongs.

Die junge, frische Platte ist nach über einer Stunde durch und von der nicht ganz ausverkauften Tonhalle angenommen. Die 17- bis 70-Jährigen verlangen aber mehr – und bekommen „Willenlos“, „Taximan“, „Sexy“, „Mit 18“ und „Johnny Walker“ als Zugabe.

Endlich kann mitgesungen werden, weil man die Songs so gut kennt, die teilweise aufgestaute Energie rausgelassen werden kann. Die Hürde, unbekannte Songs tanzbein-schwingend und frenetisch-mitklatschend den Fans zu vermitteln, wird mit den alten Hits endgültig genommen.

Ob die neuen Songs auch in die großen Hallen und Stadien passen? Wahrscheinlich schon. Dennoch konnte Westernhagen mit seinem Ensemble eine intime und direkte Atmosphäre erzeugen, die einen diese großen Hallen und Stadien nicht vermissen lässt.

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