Mariss Jansons: Spekulation mit der Aura

Mariss Jansons' letztes Konzert als CD.
| Robert Braunmüller
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Mariss Jansons bei den Proben zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.
Mariss Jansons bei den Proben zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. © picture alliance / Hans Punz/APA

Letzte Worte wie Goethes "Mehr Licht" umgibt ein Mythos des Ewigen und der Ahnung des Metaphysischen, der sich irgendwann auch einmal auf letzte Aufnahmen übertragen hat. Bei Licht besehen, ist das natürlich heikel, denn gesundheitliche Schwächen sind nicht gerade die beste Voraussetzung für künstlerische Ausnahmeleistungen. Das gilt besonders für das körperlich und emotional herausfordernde Dirigieren.

Gemischter Eindruck - Mariss Jansons' letztes Konzert 

Daher darf man zweifeln, ob es eine gute Idee war, das letzte Konzert von Mariss Jansons auf CD herauszubringen. Aufgezeichnet wurde es am 8. November in der New Yorker Carnegie Hall. Was wiederum passt, weil der Dirigent in seinen letzten Jahren prestigeträchtige Gastspiele wichtiger nahm als Konzerte im heimischen Gasteig oder Herkulessaal.

Und so hinterlässt die Aufnahme einen - vorsichtig gesagt - gemischten Eindruck. Bei den "Vier symphonischen Zwischenspiele" aus der "Intermezzo" von Richard Strauss bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die etwas polternde Fröhlichkeit gut heraus. Hier und in der "Szene am Kamin" könnte fast von einer Ehrenrettung dieser selten gespielten Oper sprechen.

Johannes Brahms - hörbar nicht in Ordnung

Hauptwerk des Konzerts war die Vierte von Johannes Brahms. Verehrer von Jansons würden es natürlich nie zugestehen, distanzierte Beobachter dürften sich aber darüber einig sein, dass dieser Symphoniker nicht wirklich zu den Stärken des Dirigenten zählte. Auch wenn man nicht um die gesundheitlichen Probleme von Jansons an diesem Abend wüsste, wird hier hörbar, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Die Musik wird sehr breit genommen und fließt zäh. Immer, wenn ein Dirigent mit dem einer Tempo-Rückung eingreifen und etwas zuspitzen müsste, passiert nichts. Die bei Strauss noch durch die Kraft der Interpretion überspielten Unsauberkeiten häufen sich, und das Finale wirkt gar mehr zu Ende gebracht als wirklich beendet.

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Auch wenn hinterher das New Yorker Publikum jubelt: Der Respekt vor der Lebensleistung des langjährigen Chefdirigenten hätte es geboten, dieses Konzert unveröffentlicht zu lassen und auf die Spekulation mit der Aura des "letzten Konzerts" zu verzichten. Wer Mariss Jansons in guter Erinnerung behalten will, halte sich von dieser Aufnahme fern.


Mariss Jansons: "His last Concert. Live at Carnegie Hall" (BR Klassik)

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