"Live in der Bar Gabanyi": Kirche schenkt der Kultur ein Zuhause

Die Auferstehungskirche schenkt der Kultur ein Zuhause. Denn die Konzertreihe "Live in der Bar Gabanyi" zieht ins Westend.
| Adrian Prechtel
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Mit Messwein auf eine gute Zusammenarbeit anstoßen: Fany Kammerlander und Pfarrer Bernd Berger in der Auferstehungskirche.
Mit Messwein auf eine gute Zusammenarbeit anstoßen: Fany Kammerlander und Pfarrer Bernd Berger in der Auferstehungskirche. © FK/privat

Der Kalauer kam bei Bernd Berger nicht so gut an. Aber wenn man ein Musikprogramm, das in einer klassischen Bar spielen sollte, coronabedingt in eine Kirche verlegt, liegt er halt nahe. Und so wird der Pfarrer gefragt, ob das Motto der Konzerte "Auferstehung statt Absturz" sei? "Nein", sagt Berger etwas nüchtern, aber sehr freundlich, und der Pfarrer er Auferstehungskirche erklärt: "Kleine Kunsträume können zur Zeit wegen der Abstandspflicht keine Kultur mehr veranstalten, und Künstler können nicht mehr auftreten! Da liegt es doch nahe, die Kirche dafür zu öffnen!"

 

Kulturprogramm der Bar Gabanyi wird verlegt

Im Westend steht die Backsteinkirche, erbaut 1930 von German Bestelmeyer. Hierhin wird jetzt das Kulturprogramm der Bar Gabanyi am Beethovenplatz verlegt. Für das Programm ist die Cellistin und Impresaria Fany Kammerlander zuständig. Sie hatte keine Lust mehr, ihren gebuchten Künstlern das gesamte Herbstprogramm zu streichen: "Zur Zeit haben Musiker oft das Gefühl, sie und ihre Kunst sind genau noch eine E-Mail wert - nämlich die, die das geplante Konzert mit einem nüchternen Hinweis auf Corona einfach absagt."

Sie ist drei Wochen lang Klinkenputzen gegangen, um einen neuen Ort zu finden, denn: "Unser Barbesitzer Stefan Gabanyi kann in jetzigen Coronazeiten gerade noch 20 Leute reinlassen. Also muss er die Bar wenigstens für die Stammgäste offenhalten. Da ist die Finanzierung der Konzertreihe jeden Donnerstag unmöglich." Mieten kann man da einen Ersatzraum auch nicht, weil sonst für den Künstler nichts mehr bleibt.

Pfarrer Berger öffnet seine Kirche

Dass Bernd Berger ihr seine Kirche öffnet, sieht sie - und da spricht sie schon selbst fast biblisch - als "Zeichen der Hoffnung" und begeisternde Großzügigkeit. Pfarrer Berger hat sein Angebot an die Bar Gabanyi und Fany Kammerlander gerne gemacht: "Wir wollen unsere Kirche öffnen und ohnehin den Kirchenraum umbauen, so dass er auch für Konzert genutzt werden kann." Abstände können hier bei bis zu 90 Zuschauern eingehalten werden. Ein Beleuchter soll für eine bewegende Atmosphäre sorgen - und passend für einen Kirchenraum werden keine Cocktails oder harte Spirituosen ausgeschenkt, dafür aber Wein. "Wir Evangelischen tun uns mit so etwas auch leichter", sagt Berger, weil der Raum selbst bei uns nicht geweiht ist oder heilig. "Das wird er nur beim Gottesdienst mit der spirituellen Anwesenheit Christi." So konnte Fany Kammerlander ihren Künstlern die frohe Botschaft bringen: Alle Konzerte können stattfinden, wenn nicht alle Coronaregeln noch strenger werden.

Übermorgen, Donnerstag ist zum Start die Berliner Jazzsängerin Alexa Rodrian da. Sie stellt ihr Album "One Hour to Midnight" vor, das passenderweise in einer Berliner Kirche produziert und eingespielt wurde. Und Fany Kammerlander selbst wird als Cellistin dabei sein.

Donnerstag, 8. Oktober, 20.30 Uhr, Auferstehungskirche, Gollierstr. 55, Alexa Rodrian (voc.), Jens Fischer Rodrian (git, drum), Fany Kammerlander (Cello), 18 / 12 Euro, Anmeldung: fanymusic @bar-gabanyi.de mit Angabe von, Name, Adresse, Telefonnummer.

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