Lionel Cottet zwischen Paris und Lateinamerika

Lionel Cottet, Cellist im BR-Symphonieorchester, über seine CD „From Latin America to Paris“
| Robert Braunmüller
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Lionel Cottet, der Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters.
Peter Meisel Lionel Cottet, der Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters.

Lionel Cottet, Cellist im BR-Symphonieorchester, über seine CD „From Latin America to Paris“

Mit dem mexikanischen Pianisten Jorge Viladoms, Jahrgang 1985, hat der Solo-Cellist des BR-Symphonieorchesters ein Duo-Album eingespielt: „From Latin America to Paris“. Mit Kammermusik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wagen die Musiker einen Brückenschlag zwischen Frankreich und Mittel- bzw. Südamerika. In dieser Woche spielen Lionel Cottet und Viladoms das Programm dreimal live.

AZ: Herr Cottet, Ihr musikalischer Partner stammt nicht aus Argentinien, der Heimat der lateinamerikanischen Komponisten Ihrer Platte. Und Sie sind kein Pariser. Wieso trotzdem „From Latin America to Paris“?
LIONEL COTTET: Das stimmt natürlich – ich stamme aus Genf, aus der französischsprachigen Schweiz. Ich habe Jorge Viladoms vor zwei Jahren nach längerer Zeit wieder getroffen. Er zeigte mir die musikalische Stiftung, die er in der mexikanischen Stadt Guadalajara unterstützt. Mit zwei Tänzern der Pariser Oper haben wir dort „Der Schwan“ von Camille Saint-Saëns aufgeführt.

Der stammt aus dem „Karneval der Tiere“. Auf der CD stellen Sie ihn dem „Schwarzen Schwan“ von Brasilianers Heitor Villa-Lobos gegenüber.
Der hat in Paris studiert. Das Stück klingt sehr impressionistisch. Dieser „Schwan“ ist viel weniger bekannt wie der von Saint-Saëns, was ich ein wenig ungerecht finde, weil einen das Stück ganz unmittelbar ergreift. Ich hoffe da natürlich auf einen Aha-Effekt bei den Zuhörern.

Die Argentinier Astor Piazzolla und Alberto Ginastera kennt man. Aber wer ist Manuel María Ponce?
Der mexikanische Nationalkomponist. Jorge Viladoms hat mich mit ihm bekannt gemacht. Seine Cellosonate stammt aus der gleichen Zeit wie die von Debussy. Das war der Ausgangspunkt, um eine CD über die Wechselwirkung zwischen Paris und Lateinamerika zu machen.

Gibt es einen speziell französischen Cello-Stil?
Auf jeden Fall. Da stehen Eleganz, Schlichtheit und ein gepflegter Ton im Vordergrund. Der Stil ist zurückhaltender als bei den Russen oder Deutschen. Ich finde schade, dass solche nationalen Besonderheiten verloren gehen. In der Musik stellt sich die gleiche Frage wie in der Europäischen Union: Sollen wir nationale Besonderheiten kultivieren oder eine große Mannschaft formen?

Im Wechsel zwischen solistischen Auftritten mit der Arbeit im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks lässt sich beides zusammenbringen.
Im Orchester ist eine Vielseitigkeit der Spielkulturen und im Umgang mit den musikalischen Epochen gefragt. Wir haben vor zwei Wochen Bruckners Achte unter Mariss Jansons gespielt. Nun war John Eliot Gardiner bei uns, der im Gegensatz zu unserem Chefdirigenten den vollen Klang mit viel Vibrato schätzt und auch ganz anders probt. Aber das ist gerade das Spannende. Vor zehn, 20 Jahren hätte dieser Wechsel nicht funktioniert, da waren Musiker noch viel festgelegter.

Warum spielen Sie das Programm in der Kunsthalle und in Clubs?
Konzertsäle sind schön. Aber ich finde es wichtig, auch das Publikum anzusprechen, das normalerweise nicht ins Konzert geht. Die verbreitete Angst vor Überalterung und Publikumsschwund teile ich allerdings nicht: In München geht es der klassischen Musik gut.

„From Latin America to Paris“, CD bei Sony Classical. Lionel Cottet und Jorge Viladoms spielen das Programm am 13. Dezember um 20.30 Uhr in der Kunsthalle München, am 14. Dezember um 20 Uhr im Hearthouse (Alte Börse, Lenbachplatz) und am 18. Dezemberum 21 Uhr im Milla Live Club (Holzstraße 28)

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