Leonidas Kavakos spielt und dirigiert Beethoven

Der Geiger Leonidas Kavakos spielt in der Philharmonie Beethoven und dirigiert dabei das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
| Robert Braunmüller
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Leonidas Kavakos und das BR-Symphonieorchester.
BR/Peter Meisel Leonidas Kavakos und das BR-Symphonieorchester.

Dass ein Solist im Violinkonzert von Ludwig van Beethoven auch gleich das Dirigieren noch mit übernimmt, ist keine Neuheit mehr. Maxim Vengerov etwa hat das Experiment einer Personalunion schon gewagt, mit mäßigem Erfolg. Auch, wenn Leonidas Kavakos in der aktuellen Aufführung immer dann den Takt schlägt, sobald er Pause hat, fällt die Hauptarbeit letztlich auf den Konzertmeister zurück.

Anton Barakhovsky koordiniert souverän seine Kollegen vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, die verstärkt aufeinander hören. Das ist aber auch der einzige und aus Zwang geborene Pluspunkt einer solchen unnötigen Notlage.

Denn davon abgesehen lässt Kavakos den anderen denkbaren Vorteil ungenutzt: nämlich eine Deutung des vielgespielten Werkes zu entwickeln, die mit einem konkurrierenden Dirigenten so nicht möglich wäre. Die Musik wird in Ruhe gelassen und kann sich naturhaft entfalten. Besonders im oft überdrehten Finale gefällt das freie Ausschwingen der Motive. Gepflegt und seidig klingen die BR-Streicher. Außergewöhnlich ist das alles nicht, höchstens, dass der Pauker den berühmten Beginn mit den Händen schlägt: ein Mätzchen, das man wieder vergessen sollte.

Warum dirigiert er nur?

Kavakos, derzeit Artist in Residence beim BR-Symphonieorchester, spielt den Solopart entspannt und mit der für ihn typischen, aufgerauten, bisweilen kratzigen Tongebung. Eine Attraktion sind die Kadenzen, die Beethoven selbst für seine Umarbeitung des Werkes als Klavierkonzert komponiert hat und die Kavakos nun der Violine zurückerobert. Der gemeinsame Marsch von Soloinstrument und Pauke in der ersten Kadenz ist hinreißend, wenngleich auf der weiten Bühne der Philharmonie beide nicht immer akkurat zusammenstimmen. Unter dem Strich hätte also ein Dirigent, zum Beispiel Mariss Jansons, nur helfen können.

Im zweiten Teil lässt Kavakos die Geige im Künstlerzimmer und versucht sich als Orchesterleiter. Es bleibt beim Versuch. Schwer zu sagen, was in dieser gesichtslosen Version der allgegenwärtigen Symphonie Nr. 7 von Beethoven schlimmer ist, die pauschale, ungeordnete Balance des Symphonieorchesters oder die enervierende Monotonie, mit der Kavakos die Motive breit tritt. Mit den Energieverläufen dieses Werkes kann er erkennbar nichts anfangen.
Man versteht, warum Kavakos Beethoven spielt, nicht aber, warum er glaubt, ihn dirigieren zu müssen.     

Das Konzert kann man auf br-klassik.de nachhören

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