Krassimira Stoyanova singt Richard Strauss

Krassimira Stoyanova und das Münchner Rundfunkorchester mit Szenen aus Opern von Richard Strauss im Prinzregententheater
| Robert Braunmüller
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Die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova.
Johannes Ifkovits Die bulgarische Sopranistin Krassimira Stoyanova.

Zu einer typischen Strauss-Stimme gehört das selige instrumentale Schweben über einem großen Orchester, losgelöst von Sinn und Sprache, etwa im Final-Duett aus dem „Rosenkavalier“ oder den „Vier letzten Lieder“. Wer eine solche silberne Trompete in der Kehle sitzen hat, tut sich womöglich aber schwer mit der musikalischen Prosa zwischen den emphatischen Momenten in den Opern des Garmischer Meisters, die dann mit Mitteln des Liedgesangs gestaltet werden wollen.

Krassimira Stoyanova hat eine eher dunkel timbrierte Stimme, die nicht zwingend für die Musik von Richard Strauss geschaffen ist. Die kulinarischen Stellen, etwa in der großen Szene aus „Ariadne auf Naxos“ gelangen ihr gut, wenngleich nicht mit überwältigender Opulenz.

Ein Arienabend ohne Bühne und Darstellerei legt vor allem die kleinen Dinge in den Fokus. Ein leicht osteuropäischer Akzent steigert bei der Marschallin eher den Charme. Aber die Sopranistin hat recht deutliche Probleme, den Konversationston zu treffen und die Worte Hofmannsthals mit musikalischem Ausdruck zu färben. Wenn sie über die Zeit philosophiert, mündet das in ein manieriertes Gurren, und wer die Stelle mit der Erwähnung des Praters nur von ihr gehört hat, kennt sie noch nicht.

Ob es die Welt braucht?

Violetta Radomirska steuerte im Finale aus dem ersten „Rosenkavalier“-Akt mit einem allzu ähnlichen Timbre ehrlichen Geradeherausgesang als Octavian bei. Nach der Pause wurde kurzfristig die Szene der Gräfin aus „Capriccio“ für die „Liebe der Danae“ eingewechselt. Ab dem Sonett verschwand jede Wortverständlichkeit hinter dem Schleier der kunstgewerblichen Schönheit dieser Musik. Das kann man so machen, von der Psychologie der Figur und ihrem Schwanken zwischen zwei Männern war allerdings wenig zu spüren.

Das 50-köpfige Münchner Rundfunkorchester hatte sich mit zahlreichen Aushilfen auf Strauss-Stärke gebracht. Im ersten Vorspiel aus „Intermezzo“ musste sich dieses All-Stars-Orchestra erst einmal zusammenraufen. Da wurde nur knapp jenes unselige Rumpeln abgewendet, das einem die Spätwerke von Richard Strauss ziemlich verleiden kann.

Ivan Repušiæ begleitete mit seinen Leuten die Sängerin sehr sorgfältig. Lyrisches gelang ansprechend. Aber es hat in München schon jede Menge Dirigenten gegeben, die eleganter über die Klebestellen der mit einer Schere zusammengestellten „Rosenkavalier-Suite“ gekommen sind. Auch die recht beiläufig und atemlos erreichte Überreichung der Silbernen Rose war kein Höhepunkt der Strauss-Interpretation.

Das Konzert wurde laut Programmheft für eine CD mitgeschnitten. Ob die Welt das wirklich braucht, möge die Welt entscheiden.

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